Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
887/1004 page 843
![steht eine purpurrote Färbung. Fügt man dem Rückstand wieder etwas Salz- säure hinzu, hierauf Natriumbicarbonatlösung bis zur neutralen oder schwach alkalischen Reaktion und schließlich mit einem dünnen Glasstab eine kleine Menge alkoholische Jodlösung, so färbt sich die Flüssigkeit intensiv smaragd- grün. Beim Schütteln mit Äther färbt sich dieser purpurrot. Diese von Pellagri angegebene Reaktion beruht auf der Bildung von Apomorphin. Reine konz. Schwefelsäure löst Morphin ohne Färbung auf. Läßt man diese Lösung 24 Stunden bei gewöhnlicher Temperatur stehen oder erwärmt sie V2 Stunde auf 100° und fügt nun eine Spur Salpetersäure oder Kalium- nitrat hinzu, so färbt sich die Flüssigkeit intensiv blutrot. (Husemann.) Auch diese Reaktion beruht auf der Überführung in Apomorphin. Zum Nachweis des Morphins in den Faeces haben Tauber und Faust folgende Methode benutzt, die zugleich auch zur quantitativen Bestimmung dient. Der lufttrockene, möglichst fein zerriebene Kot wird mit salzsäure- haltigem Wasser auf dem Wasserbad extrahiert, vom Rückstand abfiltriert und ausgewaschen. Das Filtrat dampft man fast bis zur Trockne, nimmt mit Alkohol auf und filtriert. Das Filtrat fällt man mit Bleiessig, wäscht den abfiltrierten Niederschlag mit Wasser und Alkohol und entbleit die gesamte von Alkohol befreite Lösung mit Schwefelwasserstoff. Die vom Bleisulfid abfiltrierte und vom Schwefelwasserstoff befreite Flüssigkeit dampft man ein, nimmt den Rückstand mit Alkohol auf, dampft das Filtrat neuerdings ein, löst in Wasser, filtriert und engt auf 25 ccm ein. Hierzu fügt man fein gepulvertes Natriumbicarbonat, worauf das Morphin sich pulvrig-krystallinisch abscheidet. Man filtriert ab, trocknet bei 110° und wägt. Der im Filtrat enthaltene Rest des Alkaloids wird erhalten, indem man nach Ansäuern mit Salzsäure eindampft, mit Alkohol aufnimmt, das Filtrat verdunstet, den Rückstand in wenig Wasser löst, filtriert und auf wenige Kubik- zentimeter einengt. Man fällt nun das Morphin in gleicher Weise wie vorher. Durch eine Veraschungsprobe, die Löslichkeit in Alkohol und die oben beschriebenen Reaktionen überzeugt man sich von der Reinheit und Identität des Alkaloids. Strychnin. f-'2lB-22N202 . Sowohl bei Menschen wie bei Tieren läßt sich eingeführtes Strychnin unverändert im Harn nachweisen [Kratter1), v. Rautenfeld2), Plügge3), Ipsen4)]. Ob die Ausscheidung quantitativ stattfindet, oder ob ein Teil des Alkaloids im Organismus zerstört wird, ist nicht sicher zu sagen, da die quan- titative Bestimmung so kleiner Mengen, wie hierbei in Frage kommen, mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. v. Rautenfeld fand im Tierversuch von 16 mg eingeführtem Strychnin im Harn nur 38% wieder. Die Ausschei- dung beginnt sehr bald nach der Aufnahme. Nach medizinalen Dosen fällt der Nachweis innerhalb 1—2 Stunden positiv aus. Bei Tieren fand Ipsen nach tödlichen Gaben das Alkaloid schon nach 2—5 Minuten im Harn. Der Verlauf der Ausscheidung ist langsam, so daß nach medizinalen Dosen (3—5 mg) der Harn noch 6—8 Tage lang strychninhaltig gefunden wird (v. Rautenfeld Piugge). i) J. Kratter, Wiener med. Wochenschr. 1882, Nr. 8—10. 3{ p p Rautenfe Id, Über die Ausscheidung des Strychnins. Inaug.-Diss. Dorpat 1884 J C. Plügge, Archiv d. Pharmazie 1883, 833. l ) C. Ipsen, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. [3] 4, 15 [1892].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0887.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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