Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
941/1004 page 897
![Sie sind in Wasser leicht, sehr schwer in kaltem, leichter in heißem Wein- geist löslich, die wässerige Lösung ist bei Gegenwart von Alkali recht beständig, auch bei 160—170°. Mineralsäure spaltet schon in der Kälte Indoxyl ab, das sich an der Luft, rascher mit anderen Oxydationsmitteln zu Indigo oxydiert; mit Essigsäure läßt sich eine Lösung des Salzes einige Zeit ohne Zersetzung erhitzen. Indoxylglukuronsäure (wahrscheinliche Formel: C8H6N • C6H907)x) ist noch weniger beständig als che Indoxylschwefelsäure. Sie wird beim Ein- dampfen des Harnes und bei der ammoniakalischen Harngärung unter Ab- scheidung von Indigo zerlegt. Sie ist linksdrehend [Külz2)], wird durch Blei- zucker weder aus wässeriger noch aus alkoholischer Lösung gefällt, dagegen aus dem Pferdeharn durch Bleiessig [Poreher3)], aus menschlichem Harn wurde sie erst durch Bleiessig und Ammoniak gefällt [Mayer und Neuberg4), sowie Austin4)]. Indolessigsäure: C10H9NO2 = C8H6N • CH, • COOH . Sie wurde von E. und H. Salkowski5) unter den Fäulnisprodukten der Eiweißkörper gefunden und als Skatolkohlensäure gedeutet. Ihre Konstitution wurde von Ellinger6) festgestellt, von Rosin, Garrocl und Herter wurde sie aus dem Harne isoliert und von letzterem als das Chromogen des Uroroseins angesprochen7). Indolessigsäure ist eine farblose, in Blättchen krystallisierende, in Wasser wenig, in Alkohol und Äther leicht lösliche Säure. Sie schmilzt bei 164°, wenig über ihren Schmelzpunkt erhitzt, zerfällt sie in Kohlensäure und Skatol. Mit Wasserdampf ist sie nicht flüchtig, unreine wässerige Lösungen zersetzen sich aber beim Erhitzen unter Bildung von roten bis violetten Farbstoffen. Die wässerige Lösung scheidet beim Stehen einen braunen Niederschlag aus. Die Reaktionen der Indolessigsäure sind S. 889 mitgeteilt. Skatoxyl (C9H9NO) ist aus Harn nicht dargestellt8). Betreffend Skatoxyl- schwefelsäure haben Brieger9) (aus Hundeharn nach Skatolfütterung) und Otto10) (aus dem Harn eines Diabetikers) eine als skatoxylschwefelsaures Kalium angesprochene Substanz isoliert, jedoch sie nicht genügend identifiziert. Mester11) gelang es nicht, aus Hundeharn nach Skatolfütterung Skatoxylschwefelsäure zu erhalten. Das von Brieger wie von Otto dargestellte Kaliumsalz bildete weiße krystallinische Knollen, die sich in Wasser leicht, schwer in Weingeist lösten, beim Erhitzen rote Dämpfe gaben. Eisenchlorid färbte die.Lösung stark violett, konz. Salpetersäure rot; mit x/3 Vol. Salzsäure entstand ein amorpher roter Niederschlag, der sich in Wasser und Äther nicht, in Alkohol und in konz. Schwefelsäure mit roter Farbe löste. Beim Erhitzen mit Zink- staub entstand Skatol. Mester vermutete, da er Skatoxylschwefelsäure nicht gewinnen konnte, die Ent- stehung von Skatoxylglukuronsäure (1. c. S. 142) nach Skatolfütterung. Er hatte einen x) Vgl. P. Mayer u. C. Neuberg, Zeitschr. f. physiol. Chemie 29, 257 [1900]. 2) E. Külz, Archiv f. d. ges. Physiol. 30, 485 [1890]. 3) Ch. Porcher u. Ch. Hervieux, Compt. rend. de la Soc. de Biol. 55, 862 [1903], 4) P. Mayer u. C. Neuberg, Zeitschr. f. physiol. Chemie 29, 271 [1900]. — A. E. Austin, Salkowski - Festschrift 1904, S. 53. 6) E. u. H. Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Chemie 9, 8 [1884], 6) A. Ellinger, Berichte d. Deutsch, chem. Gesellschaft 3T, 1801 [1904], 7) Siehe S. 888. 8j L. Maillard (L’indoxyle urinaire, Paris 1903) weist darauf hin, daß ein dem Indoxyl analoges Skatoxyl unmöglich sei, da an der Stelle der Hydroxylgruppe die Methylgruppe anwesend sei. 9) L. Brieger, Zeitschr. f. physiol. Chemie 4, 414 [1880]. 10) J. Otto, Archiv f. d. ges. Physiol. 33, 614 [1884], n) B. Mester, Zeitschr. f. physiol. Chemie 12, 130 [1887]. N « u o rg. 57](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0941.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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