Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
970/1004 (page 926)
![Hämatin, Hämin. 92 fi aus welclien aber durch geeignete Reinigung ein und dasselbe Hämatin er- halten werden kann. A1 Irnlinfaf“ Pulver, welches in Wasser, verdünnten Säuren Alkohol, Äther, Chloroform unlöslich ist. Es löst sich bei gleichzeitiger Säuregegenwart wenig in Alkohol und in Äther, leicht lost es sich in Alkalien, auch in Ammoniak* Kalk- salze und bchwermetallsalzö fallen es aus alkalischen Lösungen. Die Verschiedenheit der Hämatinpräparate je nach der Art der Darstellung welche schon aus den sehr verschiedenen Angaben über die Löslichkeit dieser Körper und über ihr Verhalten gegen Reagenzien hervorgehen dürfte, scheint nicht immer durch Ver- unreinigungen, sondern auch durch verschiedene Konstitution bedingt zu sein. So ist das über Hanim dargestellte Hämatin zweifellos beständiger gegen eisenabspaltende Reagenzien als das als direktes Spaltungsprodukt von Oxyhämoglobin gewonnene Hämatin Zum Studium des Hamatins wurde in den letzten Jahren fast ausschließlich von dem kristallisierenden Chlorwasserstoffester desHämatins(Hämin) ausgegangen In größerer Menge ist Hämin nach Nencki und Sichert) aus dem mit Weingeist koagu- lierten Blutfarbstoff zu gewinnen durch Extraktion mit siedendem salzsäurehaltigen Amyl- alkohol, oder nach Schalfe jeff2) durch Einträgen von Blut oder Blutfarbstofflösung wel- cher eine größere Menge Chlornatrium zugesetzt ist, in die 4fache Menge auf 80° erwärm- ten Eisessigs, worauf die Mischung durch 10 Minuten auf dieser Temperatur gehalten her- nach koliert wird. Aus den abgekühlten Flüssigkeiten fallen die Hämiukrystalle heraus. Hämin fällt in mikroskopisch kleinen, dichroitischen (schwarz- und gelbbraunen) Krystallen, sog. reich manrischen Krystallen, aus den Lösungen heraus. In ihm ist eine Hydroxylgruppe des Hämatins durch Chlor ersetzt. Analoge Hämatinester mit Brom und Jod sind mehrfach beschrieben. Nach Schalfejeffs wichtiger Entdeckung läßt sich Hämin umkrystallisieren, 1. in- dem es in alkoholischem Ammoniak gelöst wird, diese Lösung wird in warmen chlornatrium- haltigen Eisessig eingetragen, oder 2. (am besten) indem 1 g Rohhämin in 20 ccm Chloroform, das 2 ccm Pyridin enthält, gelöst wird; dabei bleibt ein — nicht hämatinartiger — Teil (Carcasse) ungelöst, die filtrierte Lösung wird in warmen chlornatriumhaltigen Eisessig eingetragen. Es scheiden sich beim Abkühlen meist schön ausgebildete Häminkrystalle ab. Dieses umkrystallisierte Hämin ist in allen bisher untersuchten Blut- arten als identisch befunden worden [Küster3)]. Es ist aber dazu zu bemerken, daß aus verschieden dargestellten Rohhäminen sein- verschiedene Mengen von Hämin in der Eisessiglösung bleiben, aus dieser Eisessiglösung zum Teil durch Verdünnen mit Wasser, zum anderen Teil erst nach der Neutralisation der Essigsäure zu gewinnen sind. Auch Hämatin kann nach Schalfejeffs Verfahren in Hämin übergeführt werden. Das reine umkrystallisierte Hämin hat nach Küster3) und nach Zaleski4) die Formel: C34H33N4Fe04Cl. Dieses Hämin ist unlöslich in Wasser, Alkohol, Äther, Amyl- alkohol, Chloroform, Aceton, verdünnten Säuren, löslich bei Gegenwart von Alkalien, auch organischen Basen, wobei das Halogen abgespalten wird, in den genannten indifferenten Lösungsmitteln. Durch Lösen in wässerigen Laugen und Fällen der (unter Sauerstoff- aufnahme zersetzlichen) Lösungen mit verdünnter Schwefelsäure wird das Hämatin analysen- rein erhalten. Ihm kommt näherungsweise die Formel C34H34N4FeOs zu. Die Elementaranal3-.se macht einige Schwierigkeiten wegen der schweren Verbrenn- lichkeit; es wird leicht etwas zu wenig Kohlenstoff gefunden, andererseits gibt die Stick- stoffbestimmung nach Kjeldahl zu geringe Werte, der Stickstoff muß nach Dumas bestimmt werden. Trockenes Hämatin ist relativ beständig, es kann bis 180° ohne Zersetzung erhitzt werden, widersteht auch recht lange der Einwirkung gespannter Wasserdämpfe. Die alkalischen, wässerigen Hämatinlösungen sind in dicken Schichten rot, in dünnen olivengrün, sie geben ein wenig charakteristisches Spektrum, in konz. Lösungen einen Streifen im Rot (zwischen C und D, näher an D, über D hinausgehend), nach Lewin, Miethe und Stenger (1. c.) bei X — 616, während Hämin einen Streifen bei /. = 612 zeigt. Die Natur des Lösungsmittels hat auf das Spektralbild des Hämatins einen großen Ein- fluß. So ist in alkalischen Acetonlösungen der Streifen im Rot verschwunden und dafür *) M. Nencki u. N. Sieber, Archiv f. experim. Pathol. u. Pharmakol. 18, 401 [1884J. 2) M. Schalfejeff, Physiologiste russe 1, 15 [1898]. — Andere ergiebige Verfahren zur Hämindarstellung: K. A.H.Mörner, Nordisk med. Ark.Festband 1897; Zeitschr. f. physiol. Chemie 29, 187 Note [1900]. — M. Rosenfeld, Archiv f. experim. Pathol. u. Pharm. 40, 142 [1898]. 3) W. Küster, Zeitschr. f. physiol. Chemie 40, 391 [1903].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0970.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)