Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
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Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
974/1004 (page 930)
![Zu diesen komplizierten und veränderlichen Spektralerscheinungen kommt noch hinzu, daß weder das saure noch das alkalische Spektrum an die Gegenwart der entsprechenden Reaktion gebunden sind (die alkoholische essigsaure Lösung gibt z. ß. das „alkalische“ Spektrum), daß das „metallische“ Spektrum auch ohne Zusatz von Schwermetallen auf- treten kann, z. B. durch Ammonverbindungen [Garrod1) hat dieses Spektrum auch bei amylalkoholisclien Auszügen von Harnsedimenten beobachtet], ferner daß unter der Reagenzieneinwirkung Mischspektra auftreten können, so daß die Spektralerseheinungen mannigfaltige Verschiedenheiten zeigen können. Weiter ist zu beachten, daß Hämato- porphyrin sehr zersetzlich ist (auch am Licht!), daher nimmt es kein Wunder, daß nach verschiedenen Autoren Hämatoporphyrine verschiedener Darstellungsart ein verschiedenes Spektralverhalten zeigen2). Schon Garrod hat ein 7streifiges Hämatoporphyrinspektrum beschrieben. Die Details dieser spektralen Veränderungen und Unterschiede haben für die Beob- achtungen im Harne eine immerhin geringere Bedeutung, weil durch reichlichen Salz- säurezusatz das charakteristische „saure“ Spektrum hergestellt wird. Mesoporphyrin. Wird Hämin (5 g) mit Eisessig (75 ccm) und Jodwasserstoff (15—20 ccm von 1,96 spez. Gew.) in der Wärme gelöst, dann Phosphoniumjodid (5—8 g) allmählich zugefügt, so wird ein Teil des Ausgangsmaterials in Mesoporphyrin von der Formel C34H38X404 [Za- leski3)] übergeführt, das um 2 Sauerstoffatome ärmer ist als das Hämatoporphyrin. Die Reaktion geht nicht quantitativ vor sich, u. a. entsteht dabei auch das letzte Reduktions- produkt, Hämopyrrol. Das Spektrum des Mesoporphyrins ist nach Nencki und Zaleski4) annähernd gleich dem des Hämatoporphyrins, nur sind die Absorptionsstreifen unbedeutend gegen Violett verschoben (um ca. 4 fifi). Nach Lewin, Miethe und Stenger0) zeigt es in saurer Lösung noch einen schwachen Streifen bei X = 608. Iin Ultraviolett liegt ein Streifen bei X = 399. In alkalischer Lösung finden sich 3 starke Streifen bei I = 535, 501, 463, 4 schwächere Streifen bei / = 633, 615, 583, 560; im Ultraviolett ein schwacher Streifen bei X = 402. Von Interesse ist, daß ein Zersetzungsprodukt des Chlorophylls (Phylloporphyrin; wahrscheinliche Formel: üi8H^ 8 N) nahe verwandt ist mit Hämato- porphyrin und Mesoporphyrin. Das Spektrum ist ähnlich dem des Hämatoporphyrins, nur sind die Streifen gegen Violett verschoben [Marchlewski6)]. Weitere Spaltungsprodukte. Als letztes Reduktionsprodukt der chromophoren Gruppe des Blutfarbstoffes haben Nencki und Zaleski’) durch Einwirkung von Jodwasserstoff und Phosphoniumjodid [nach Marchlewski und Retinger») 5 g Hämin, 100 g Jodwasserstoff, ca. 8 g Phos- phoniumjodid] ein farbloses, leicht flüchtiges, in Äther lösliches 01 (Hämopyrrol) von der Zusammensetzung C8H1SN erhalten, welches mit Quecksilberchlorid und Pikrin- säure krystallisierte Verbindungen gibt, an der Luft rot wird und dabei in urobilinahnliche Körper übergeht, Hämopyrrol und das farblose Reduktionsprodukt des Hamatoporphy- rins (durch Zink und Salzsäure) geben mit p-Dimethylaminobenzaldehyd und Salzsaure eine Rotfärbung [P. Ehrlich, Neubauer»)]. Küster1») wies nach, daß Hämopyrrol kein einheitlicher Körper ist, und zwar wahrscheinlich eine Mischung von einem Iyrrol- unc einem Pyrrolinderivat, später gab auch Marchlewski Daten, welche für eine InHon o- genität des Hämopyrrols sprechen, das Hauptprodukt ist nach Marchlewski ) Methyl- propylpyrrol, welche Annahme dadurch gestützt wurde, daß Hämopyrrol nach Art dei 1) A. E. Garrod, Joura. of Physiol. 15, 117 [1893]. . , T. , 2) Vgl Garrod, Journ. of Physiol. 13,598; 15, 108 [1893].—L. Zoja, Arch.Itol.Ch . med. 1893. Die Annahme eines Isoliämatoporphyrins (Le Nobel, 1. c.) ist von Nencki u. Sieber wie von Hammarsten widerlegt. 3) J. Zaleski, Zeitschr. f. physiol. Chemie 37, 54 [1902] * M. Nencki u. J. Zaleski, Berichte d. Deutsch, ehern. Gesellschaft 34, 99 901 . » L. Lewin, A. Miethe u. E. Stenger, Archiv . d ges. ‘ «) L. Marchlewski, Berichte d. Deutsch, ehern Gesellschaft 4', 847 I ?) Nencki u. Zaleski, Berichte d. Deutsch, ehern. Gesellschaft 34, 997 [U01J. — Nencki, Op. omnia II, /92. aai nooftl 8) L. Marchlewski u. J. Retinger, Biockem. Zeitschr. 10, 441 [1908J. ») O. Neubauer, Sitzungsber. d. morphol.-physio . Ges München 1V3- []02o17 10) W Küster, Berichte d. Deutsch, ehern. Gesellschaft 37, -4/0 [ J J, , ÄM.SSfÄi'Ähr. ,0. 437 [1908]; daselbst die frühere Literatur.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0974.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)