Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
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Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
976/1004 (page 932)
![zu restituieren (seit Preyer 1871), doch ohne eine sichere Charakterisierung der gebildeten Körper. Ham und Balean1) glauben, daß an Hämochromogen nicht nur Globin, sondern auch andere Eiweißkörper, z. B. Eiereiweiß, angelagert werden können. Für eine relativ feste Verbindung (die bei der Größe der beiden Atomkomplexe Hä- matin und Globin wohl an mehreren Stellen sein dürfte) spricht, daß Hämoglobin durch manche Reduktions- wie Oxydationsmittel nicht in seine Komponenten gespalten wird, sondern daß der Farbenkomplex in Verbindung mit dem Eiweiß bleibt und in dieser Ver- bindung anders reagiert als nach vorheriger Lostrennung. In neuerer Zeit sind mehrfache Versuche ausgeführt worden, Hämatoporphyrin resp. Mesoporphyrin durch Eisenaufnahme in Hämochromogen resp. Hämatin überzu- führen. Zaleski2) hat aus Mesoporphyrin und Hämatoporphyrin mit Eisenoxydul hämatin- ähnliche, aber nicht mit Hämatin identische Körper erhalten. Nach Laidlaw3) entsteht Hämochromogen aus Hämatoporphyrin durch Erwärmen mit Stokesschem Reagens und Hydrazinhydrat bei alkalischer Reaktion. Andererseits entsteht durch Kupferaufnahme das von Church als Hämatoporphyrinderivat erkannte Turacin (der rote Farbstoff von Papageienfedern). Jüngst stellte Milroy4) je eine Nickel-, Kobalt- und Zinnverbin- dung von Hämatoporphyrin dar, welche dem Hämochromogen analog sein dürften. Die Nickelverbindung war hämochromogenähnlich, aber weitaus indifferenter gegenüber atmosphärischem Sauerstoff als das Hämochromogen. Vorkommen von Blutfarbstoffen im Harn, Über das Vorkommen von gelöstem und in Blutkörperchen eingeschlossenem Blutfarbstoff im Harne siehe S. 920. Oxy- hämoglobin im Harne geht bald in Methämoglobin über. Bei der alkalischen Harngärung können sowohl Oxy- wie Methämoglobin zu Hämoglobin reduziert werden, aus welchem dann an der Luft wieder Oxyhämoglobin entstehen kann. Voraussichtlich werden sich im Harne Kohlenoxydhämoglobin oder Sulfohämo- globin (welches bei der chronischen Obstipation nach van den Bergh5) im Blute Vor- kommen soll), gelegentlich bei Hämaturie oder Hämoglobinurie finden lassen, doch scheint hierauf bisher nicht geachtet worden zu sein. Hämatin kommt nicht selten in pathologischen Harnen vor. Es ist wahr- scheinlich öfters infolge seines an und für sich wenig charakteristischen Spek- trums übersehen oder mit Methämoglobin verwechselt worden. Die eisenhaltigen Farbstoffe: Harleys Urohämatin6), Baumstar ks Urorubro- hämatin7), wahrscheinlich auch Kunkels eisenhaltiger Farbstoff des Sediment, lateri- tium8) dürften dem Hämatin nahestehen. Auch Giacosa9) hält den von ihm isolierten Farbstoff für verwandt mit Urohämatin. Baumstarks Urofuscohämatin, wahr- scheinlich auch Leubes Farbstoff10) haben dagegen anscheinend Beziehungen zu Hämatoporphyrin. Betreffend die eingehende Beschreibung dieser Körper sei auf die Originalarbeiten oder auf Hupperts Harnchemie 1898 verwiesen. Hämatoporphyrin kommt nach Garrod11) und Saillet12) regelmäßig — wenn auch in geringer Menge — im normalen menschlichen Harne vor, obwohl dessen Spektrum direkt nie zu beobachten ist, nach Stokvis13) auch U C. E. Ham u. H. Balean, Journ. of Physiol. 32, 312 [1905]. 2) J. Zaleski, Zeitschr. f. physiol. Chemie 43, 11 [1904], 3) P. Laidlaw, Joum. of Physiol. 31, 464 [1904], 4) J. A. Milroy, Journ. of Physiol. 38, 384 [1909]. 5) A. A. H. van den Bergh, Ned. Tijdschr. v. Geneesk. 1905, I, 719; zit. nach Malys Jahresber. d. Tierchemie 35, 172 [1905]. ®) G. Harley, Verhandl. d. physikal.-med. Gesellschaft Würzburg 5, 1 [1854]. 7) F. Baumstark, Berichte d. Deutsch, ehern. Gesellschaft 7, 1170; Archiv f. d. ges. Physiol. 9, 568 [1874], «) A. J. Kunkel, Verhandl. d. physikal.-chem. Gesellschaft Würzburg 1881, S. 69. 9) p. Giacosa, Malys Jahresber. d. Tierchemie 1886, 213; Annali di chim. e di farm. [4] 3, 201. 10) W. Leube, Virchows Archiv 106, 418 [1886]; siehe S. 891. u) A. E. Garrod, Journ. of Physiol. 13, 619 [1892]; 15, 108; 17, 350 [1895]; Lancet, Nov. 1900. 12) Saillet, Revue de m6d. 16, 542 [1896]. 13) B. J. Stokvis, Centralbl. f. d. med. Wissensch. 1896, 177.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0976.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)