Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
981/1004 (page 937)
![Nach Schümm kann ein Teil Blutfarbstoff auf 20 000—80 000 Teile Wasser nach- gewiesen werden, nach Bolland 1 : 12 000. Die verschiedenen Angaben über die Emp- findlichkeit finden wahrscheinlich ihre Erklärung — neben der verschiedenen Wirk- samkeit des verwendeten Terpentinöls — darin, daß bei verschieden großen Blutmengen korrespondierende Mengen von Guajaclösung zugesetzt werden müssen. Bei sehr wenig Blut kann ein Überschuß der Guajaclösung die Reaktion hindern [Schroeder1)]. Die Reaktion darf weder alkalisch noch mineralsauer sein, ein mäßiger Essigsäuregehalt stört nicht. Eine große Zahl von Stoffen kann eine positive Blutreaktion Vortäuschen. Einige derselben werden durch Kochen unwirksam gemacht wie Eiter, Oxydasen. Dagegen geben auch nach dem Kochen Eisensalze, Cuprisalze, Jodide, salpetrige Säure, Rhodanwasser- stoff, essigsaure Tonerde, Bleiacetat, fein verteiltes Quecksilber, Platin eine Bläuung der Guajaclösung2). 2. Zur Vermeidung einiger störender Substanzen schlägt Weber3) vor, 30 ccm Harn mit 10 ccm Essigsäure und 20—40 ccm Äther zu schütteln, wobei die eisenhaltigen Zer- setzungsprodukte des Blutfarbstoffes in den Äther übergehen. Der Äther ist zweimal mit Wasser auszuschütteln, hierauf mit der ätherischen Lösung die Guajacprobe (5—10 Tropfen Guajaclösung, 20 Tropfen Terpentin) anzustellen. Die Reaktion geht langsamer als in der wässerigen Lösung vor sich. Schaer4) hat,statt der Guajactinktur eine alkoholische Aloinlösung oder Tinktur von Barbadosaloe oder Natalaloe vorgeschlagen, welche nach Klunge5) eine der Guajac- bläuung analoge, aber beständigere Rotfärbung gibt. O. und R. Adler6) haben eine heiß gesättigte, alkoholische, nach dem Erkalten filtrierte Benzidinlösung als Reagens auf Blutspuren empfohlen. 10—15 ccm Harn werden mit dem gleichen Volumen Eisessig versetzt, mit Äther ausgeschüttelt, der Äther wird mit der Reagenslösung und etwas Wasserstoffsuperoxyd versetzt; bei Gegenwart von Blutspuren tritt eine Grünfärbung auf. Schlesinger und Holst7) haben diese Probe in der Weise modifiziert, daß 10—12 Tropfen einer gesättigten Benzidineisessiglösung mit 3 ccm Wasserstoffsuperoxyd gemischt werden, dieser Mischung wird der Harn zugefügt. Diese Probe ist von einer die beiden vorigen weit überragenden Empfindlichkeit (1 : 100 000). Es darf aber nur das reinste Benzidin (Merck oder Kahlbaum) verwendet werden. Betreffend die möglichen Irrtümer gilt für die Aloinprobe wie für die Benzidinprobe das bei der Guajacprobe Angegebene. Zwar ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß einige der störenden Substanzen mit den Reagenzien ohne Wasserstoffsuperoxyd oder Terpentinzusatz reagieren, aber die Störungen haben nicht ausgeschlossen werden können (betreffend Eisen vgl. Bolland, 1. c.). Man kann daher gegenwärtig diese Proben doch nicht als zum sicheren Blutnachweis geeignet ansehen. Ihr Wert liegt vielmehr darin, daß bei negativem Resultat Blutfarbstoff in den angegebenen Konzentrationen ausgeschlossen ist. Für die Untersuchung des Harns kommt ihnen kaum eine größere Bedeutung zu, dagegen mögen sie etwa bei der Untersuchung auf Blut in Faeces u. dgl. als Kontrollproben von Wert sein (Schümm). Über die Theorie vgl. Carlson8). Außer den genannten Reagenzien ist Phenolphthalin [E. Meyer6)] und Parapheny- lendiamin [Boas io)] zum Blutnachweis empfohlen worden. Letztere Proben sind weder empfindlicher noch vollkommen sicher. Nachweis von Ilämatoporphyrin. Nach Garrocl11) wird eine größere Menge (150 350 ccm pathologischer, mindestens 1 1 normaler Harn) mit 1/5 seines \ olumens an 10 proz. Lauge (nicht Ammoniak!) versetzt. 188 [V907j c ^ r 0 e de r ’ Hospitalstidende 15; zit. nach Malys Jahresber. d. Tierchemie 37, 3! Xgl;vC',L’ A1®b®rS> Ar<£riv f‘ exPerim- Pathol. u. Pharmakol., Suppl. 1908, 39. .'Cd. ,m■ m' V8'- “°h °- 4) E. Schaer, Zeitschr. f. analyt. Chemie 43, 7 [1903]. rn K1unge,,Schweizer Wochenschr. f. Pharm. 1883, 497; 1883, 2. 7\ c‘ F\ Adler’ Zeitschr- f- physiol. Chemie 41, 59 [1904], 8i r<' -rn es.lnSer u; Holst, Deutsche med. Wochenschr. 11)06, 1444. 9 ™ 77 Car Zeitschr. f. physiol. Chemie 48, 69 [1906]; 55, 260 [19081. Wr.Ji,E;«!«yecu Munch, med. Wochenschr. 1903, 1489. — B. J. Slowzow Ruski Wratsch 1909; Chem. Centralbl. 3, 1083 [1909]. ’ USkl Centralbl. f. inn. Medizin 37, 601 [19061 > A. E. Garrod, Journ. of Physiol. 17, 349 [1895].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0981.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)