Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
998/1004 (page 954)
![Nach Knöpfeimacher1) krystalhsiert Bilirubin bei Icterus neona- torum aus dem Harn aus, wenn dieser phosphatarm ist. Bilirubin wurde öfters durch Extraktion des Harnes mit Chloroform krystalhsiert erhalten. Über die Natur der grünen und braunen Harnpigmente, die oft bei Ikterus beobachtet werden, ist nichts bekannt. Nachweis. Gallenfarbstoffhaltiger Harn kann gelb, rotbraun bis grün sein oder verschiedene Nuancen dieser Töne zeigen. Sein Schaum ist gelb bis gelb- grün, gewöhnlich sind die Epithelzellen des Sedimentes gelb gefärbt. Auch Harnsäurekrystalle können Gallenfarbstoff zurückhalten. Da die Gallenfarb- stoffe sich beim Stehen des Harnes zersetzen, muß die Untersuchung bald vor- genommen werden. Zum sicheren Nachweis dienen die folgenden Proben: a) Nach Gmelin2): Der zu untersuchende Harn wird vorsichtig über schwach gelbe (salpetrige Säure haltige) Salpetersäure geschichtet, an der Be- rührungsstelle der beiden Flüssigkeiten entsteht ein grüner Ring, der bei ruhigem Stehen gögen die Salpetersäure zu blau, violett, rot und gelb wird. Nach Rosenbach3) wird der Harn durch ein kleines Filter filtriert, ev. mehrmals, und nach dem vollständigen Abtropfen der Flüssigkeit wird das Filter mit Salpetersäure betupft, wobei die charakteristischen Ringe (grün, gegen innen zu blau, violett, rot, gelb) der Reihe nach auftreten. Die Reaktion kann durch verschiedene Farbstoffe und Chromogene, Uro- bilin, Indican usw. undeutlich werden. Häufig gelingt es, im mit Wasser ver- dünnten Harn [nach dem Vorschläge von Zeeh uisen4)] doch in solchen Fällen die Gmelinsche Probe noch deutlich zu erhalten. Alkoholische Flüssigkeiten geben mit Salpetersäure, worauf Huppert mehrfach hingewiesen, Blau- und Violettfärbungen! Von dieser Gmelinschen Probe sind viele Modifikationen — mit Zusatz von Nitrit, nitrithaltiger Lauge und Salzsäure, Nitrat und Schwefelsäure — vorgeschlagen, die jedoch keine Vorteile bieten. b) Nach Huppert5 6): Der Harn wird mit wenig Chlorcalcium und mit Kalkmilch im Überschuß versetzt, der Niederschlag wird filtriert, mit Wasser ausgewaschen, dann vom Filter getrennt, mit Alkohol gekocht, dem einige Tropfen verdünnter Schwefelsäure bis zur sauren Reaktion zugesetzt werden. Dabei färbt sich der Alkohol schön grün. Aus Chrysophansäureharn erhält man eine orangegelbe alkoholische Lösung. c) Nach Hammarsten 6): Man bereitet sich erst ein Säuregemisch, das aus 1 Vol. Salpetersäure und 19 Vol. Salzsäure (jede der Säuren von etwa 25%) besteht. Von diesem Säuregemenge mischt man, jedoch erst, wenn es durch Stehen gelblich geworden ist, 1 Vol. mit 4 Vol. Alkohol. Bei Gegen- wart von größeren Mengen Gallenfarbstoff werden zu 2—3 ccm dieses Reagens einige Tropfen Harn gegossen; nach dem Umschütteln entsteht eine tagelang beständige grüne oder blaue Färbung. Bei geringem Gallenfarbstoffgehalte werden 10 ccm sauren oder neutralen (nicht alkalischen) Harnes mit Chlor- bariumlösung (bei stark gefärbtem Harn besser Chlorcalciumlösung) versetzt und 1 Minute zentrifugiert. Die Flüssigkeit wird vom Bodensatz abgegossen, J) W. Knöpfelmacher, Jahrb. f. Kinderhcilk. 41, 447 [1898]. 2) F. Tiedemann u. L. Gmelin, „Die Verdauung nach Versuchen“ 1826, S. 79. 3) 0. Rosenbach, Centralbl. f. d. med. Wissensch. 1876. 4) H.Zeehuisen, Gen. Natuur-Genees-Heelk. Amsterdam; zit. nach Malys Jahresber. d. Tierchemie 24, 304 [1894]. 6) H. Huppert, Archiv f. Heilk. 8. 351, 476 [1867]. 6) 0. Hammarsten, Lehrb. f. physiol. Chemie, 7. Aufl., S. 403; Läkareför. Förh.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0998.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)