Das Venensystem des menschlichen Korpers / von Christian Wilhelm Braune.
- Christian Wilhelm Braune
- Date:
- 1884-1889
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Credit: Das Venensystem des menschlichen Korpers / von Christian Wilhelm Braune. Source: Wellcome Collection.
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![„Ausser einer bald einfachen, bald doppelten [?] Vene, welche dem Laufe der Hauptäste der bezüglichen Arterie folgt, und mittels eines jeden- falls einfachen Stämmchens gewöhnlich in das obere Ende der Vena saphena major einmündet, vorher aber häufig durch ein schräg median- wärts aufsteigendes Gefässstück mit einer in der Mittellinie der Regio hypogastrica zur Rücken vene des Penis oder der Klitoris tretende Vene anastomosirt, besteht noch ein weitmaschiger Plexus venosus subcuta- neus abdominis, welcher theils mit den oberflächlichen Venengeflechten der Brustwand, theils mit eben solchen des Beckens in vielfachem Zu- sammenhange steht, so dass er also das Blut nach verschiedenen [?] Richtungen hin abzuleiten im Stande ist. An vielen Stellen der vorderen Bauchwand, welche durch Spältcheu in der Aponeurose des Obliquus ex- ternus, in der vorderen Wand der Vagina rectoabdominalis und in der Linea alba bezeichnet sind, steht das subcutane Venennetz mit Zweigen der Epigastrica und durch diese mit dem Pfortadersystem in offener Verbindung. Wie man sieht, wird aber auch hier von den Ventilen und deren Richtung, aus denen doch allein die Stromrichtung erkennbar ist, nicht gesprochen, ebenso wenig von den Formen des Netzes, noch von den Ver- bindungscanälen zum Steinum und zur Achselhöhle. Nur bei Cruveilhier (Anatomie pathologique du corps humain. Paris 1829—1835. T. I. livr. XVI pl. VI.) und Rüdinger (Topographische Anatomie), finde ich eine Notiz über den langen Venenstamm, der von der Einmündung der Vena saphena magna bis zur Achselvene reicht und zwei weit von einander entfernt liegende Venengebiete mit einander ver- bindet. Es ist in hohem Grade auffallend, dass keiner der Anatomen diese so sehr in's Auge fallende Erscheinung genügend gewürdigt hat, und dies ist nur dadurch zu erklären, dass man wohl immer nur stückweise präparirte, Achselhöhle für sich, Bauchgegend für sich und voraussetzte, dass man es mit zwei getrennten Venenstämmen zu thun habe, deren Rami- ficationen und Zweige in der Mitte liegen. Bei Besprechung des Caput Medusae, des Falles, der als typisch für diese Erscheinung in den Lehrbüchern aufgeführt wird, giebt Cruveilhier an, dass die subcutanen Abdominalvenen, die hier kolossal dilatirt waren und durch die Nabelvene mit der Pfort- ader anastomosirten, aus zwei Aesten jederseits gebildet wurden, die wie gewöhnlich in die Vena saphena magna an der Fossa ovalis beiderseits einmünden, neben der Mittellinie nach aufwärts ziehen und mitunter bis zur Achselvene verfolgt werden können. Diese Venen sieht Cruveilhier für Collateralwege an, die sich bei Circulationshinderniss in den tiefen Venen vergrössern. Ferner sagt er in seiner Anatomie descriptive, Paris, 1834. T. III. p. 325:](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20414778_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


