Die sensorischen Functionen des Rückenmarks der Wirbelthiere : nebst einer neuen Lehre über die Leitungsgesetze der Reflexionen / von Eduard Pflüger.
- Eduard Pflüger
- Date:
- 1853
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Credit: Die sensorischen Functionen des Rückenmarks der Wirbelthiere : nebst einer neuen Lehre über die Leitungsgesetze der Reflexionen / von Eduard Pflüger. Source: Wellcome Collection.
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![ihm noch unterworfen sind, auf die Oben geschilderte Weise das Bewusstsein in sich zu beurkunden. In der That aber findet man die eben geschilderte Bewe- gung gleichmässig wieder, mag man das Rückenmark zwischen Medulla oblongata und P]ex,us brachialis durchschneiden, oder mochte es unter dessen Austritt oder über dem des Plexus lumbaUs und sacralis dicht ülDer dem Niveau der hinteren Ex- tremitäten geschehen. Ja selbst am Schwänze, oder gar an Schwanzstückchen ist es leicht, sich von dem gegebenen Faktum zu überzeugen. Wenn man nämlich den Schwanz oder nur ein Stückchen Schwanz abschneidet, dasselbe zwischen zwei aufrecht eingestochene Nadeln legt, sodass seine Stellung die normale ist, so wird beim Herannahen des Feuers gegen eine Seite das Thierstückchen sich abkehren. Das ist ebenfalls, so- wohl bei Anguilla als Salamandra der Fall in einer ganz un- zweideutigen und auf das Allerbestimmteste ausgesprochenen Weise. Hiermit ist der Beweis für die Empfindungs- und Willens- thätigkeit des Rückenmarkes in seiner ganzen Ausdehnung ab- solut festgestellt. Um indessen auch den grössten Skeptiker zu überzeugen, welchem das von dem Menschen entnommene Gesetz der gleich- seitigen Leitung der Reflexe zur Beurtheilung der Bewegungen von Aalen und Salamandern gewagt erscheint, habe ich noch folgende Experimente ausgedacht. — Da kein Physiologe und kein vergleichender Anatom zwei- feln dürfte, dass ein Cardinalgesetz bei einem Wirbelthiere bestehe und bei dem anderen fehle, so war für mich das Gesetz, nachdem es beim Menschen erwiesen war, auch für sämmtUche Wirbelthiere aufgestellt. Hieraus zog ich aber den Schluss, dass ich Nichts zu thun hätte, als eines der behandel- ten Thiere in einen Zustand zu versetzen, von welchem mit tadelloser Bestimmtheit bekannt wäre, dass in ihm die Erregung einer Empfindungsfaser wirkliche und nicht blos hypothetische Reflexe auslöst. Das Mittel, diesen Zustand herbeizuführen, ist 8*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21072103_0133.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


