Die Ursachen und Anfangssymptome der psychischen Krankheiten / von Ewald Hecker.
- Hecker, Ewald.
- Date:
- [1874?]
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Credit: Die Ursachen und Anfangssymptome der psychischen Krankheiten / von Ewald Hecker. Source: Wellcome Collection.
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![7] Auffassung der realen Verhältnisse. Damit soll aber nicht gesagt sein, ilass psychische Einflüsse, namentlich wenn sie mit grosser Plötzlichkeit einwirken, oder andererseits durch einen langsam nagenden Verlauf die Ernährung des Centrainervensystems beeinträchtigen, als ätiologische Mo- mente etwa keine Berechtigung hätten. Im Ganzen ist, wie ja auch in der somatischen Pathologie das Kapitel der Krankheitsursachen noch ein ziemlich dunkles. Im Allgemeinen hört man neben der schon besprochenen erbli- chen Anlage und den psychischen Ursachen, am meisten schlechte Ernäh- rung, körperliche und geistige Ueberanstrengung, Ausschweifungen in baccho et venere, erhebliche Circulationsstörungen im Gehirn, sei es, dass diesel- ben durch eine anatomische Störung in diesem selbst (Tumor, apoplecti- scher Herd, Meningitis und dergl.) oder durch entferntere Veranlassung (Herzfehler, Stauungen im Pfortadersystem, Uterinkrankheiten, Menstru- ationsstörungen, reflectorische oder directe Reizung oder Lähmung des Sympathicus hervorgerufen werden) als Ursachen der Geisteskrankheiten anführen. In der Regel treten, um eine Psychose zu erzeugen, mehrere Ursachen zusammen, unter denen man prädisponirende Momente und Ge- legenheitsursachen unterscheiden kann. Bemerkenswerth ist es, dass man nach einzelnen Körperkrankheiten, wenn das Fieberstadium mit seinen De- lirien längst vorüber ist, oft psychische Störungen beobachtet, so namentlich nach Typhus, nach Pneumonie, Cholera, acutem Gelenkrheumatismus so- wie nach Intermittens (oft als Intermittens larvata mit intermittirendem Typus). Ebenso ist zu erwähnen, dass Schwangerschaft und Puerperium in hohem Grade zu psychischen Störungen disponiren. Von grösster Be- deutung werden aber einzelne der genannten Ursachen dadurch, dass sie wie in vielen Fällen auch die Erblichkeit) der sich aus ihnen entwickeln- den Psychose einen ganz bestimmten Charakter geben, ein ganz eigen- thümliches Gepräge aufdrücken. Kahl bäum hat zuerst ganz im Allge- meinen darauf aufmerksam gemacht, dass die durch eine extra-p s y c h o- cerebrale Ursache, gewissermaassen reflectorisch erzeugten Psychosen sich durch einen häufigen und schnellen Wechsel der Erscheinungen, einen sehr schwankenden Verlauf, durch öftere lucide Intervalle, ein fast nie ganz erloschenes Selbstbewusstsein und ein nicht selten vorhandenes Be- wusstsein der Krankheit auszeichnen. Finden Sie daher in einem zu Ihrer Beobachtung kommenden Falle diese Erscheinungen vereinigt, so rathe ich Ihnen, ganz besonders sorgfältig die Untersuchung des ganzen Körpers, auf Organerkrankungen, constitutionelle Krankheiten, Narben, Ausschläge u.' dergl. hin vorzunehmen. Vor allen Dingen werden Sie darauf zu achten haben, ob Zeichen von Syphilis vorhanden sind. Die auf dieser Dyskrasie beruhenden Geistesstörungen, die oft unter'einem ganz ähnlichen Bilde, wie die später zu besprechende »allgemeine fort- schreitende Paralyse mit Grössenwahn« verlaufen, sind, wie auch Heub- ner in seiner vortrefflichen Monographie von den syphilitischen Gehirn-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24763421_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)