Handbuch der klinischen Mikroskopie : mit Berücksichtigung der wichtigsten chemischen Untersuchungen am Krankenbette und der Verwendung des Mikroskopes in der gerichtlichen Medicin / von Giulio Bizzozero.
- Giulio Bizzozero
- Date:
- 1883
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Credit: Handbuch der klinischen Mikroskopie : mit Berücksichtigung der wichtigsten chemischen Untersuchungen am Krankenbette und der Verwendung des Mikroskopes in der gerichtlichen Medicin / von Giulio Bizzozero. Source: Wellcome Collection.
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![Ausser diesen verzerrten Körperchen sieht man gewöhnlich auch zahlreiche Mikrozyten (s. weiter unten). Obwohl diese Befunde eine tiefer greifende Alteration des Blu- tes bekunden, genügen sie uns doch nicht, um die Art der Krankheit genau zu bestimmen; denn sie werden oft bei ganz verschiedenen pathologischen Zuständen angetroffen, wie z. B. bei der Chlorosis und der durch Anchylostoma hervorgerufenen Anämie (sog. ägyp- tische oder tropische Chlorose). In einigen Fällen, besonders der Leukämie *) fand man im Blute rothe, kernhaltige Blutkörperchen. Neumann2) der Meinung, dass rothe, kernhaltige Blutkörperchen nur im rothen Knochenmarke vor- kommen, hält ihre Anwesenheit für ein sicheres Erkennungszeichen eines Knochenmarkleidens. Die Unrichtigkeit dieser Annahme ist zweifellos, denn in der Milz finden sich auch kernhaltige Blutkör- perchen; in wie grosser Menge diese bei der Anämie vorkommen, haben Salvioli3) und ich nachgewiesen. Dem Vorhandensein derselben kann demnach auch eine Milz- affektion zu Grunde liegen. Um mit Bestimmtheit sagen zu können, sie stammen aus dem Knochenmark, bedarf es noch anderer Befunde, wir müssten z. B. gleichzeitig im betreffenden Blute grosse Zellen mit grossen Kernen, wie wir ja schon einmal erwähnt, antreffen. In ebenso seltenen Fällen fand man im Blute kontraktile rothe Blutkör- perchen [Friedreich, Laschkewitsch, De-Giovanni u. a.]. Ein kon- stanter Nexus zwischen diesem Phänomen und dem betreffenden Krankheits- bild konnte aber nicht festgestellt werden. Ebenfalls nicht für die Diagnose geeignet ist das wechselnde Grössenver- hältniss der Körperchen, das von Manassein4) experimentell durch Modifi- cirung des chemischen Stoffwechsels im Organismus hervorgebracht wurde. Manassein fand Verkürzung des Blutkörperchendurchmessers im Fieber, bei Vergiftung durch Sepsis, bei Herabsetzung des Sauerstoffgebrauchs, er- zielt durch Verminderung der Athmungsthätigkeit (Kohlensäure, Morphin) bei 1) Erb, Virch. Arch. B. 34 p. 192. — Boettcher, ibid. B. 36 p. 364. — Klebs, ibid. B. 38 p. 190. — 2) Neumann, Berlin. Klin. Wochenschr. 1878 Nr. 10 p. 134. 3) Bizzozero u. Salvioli, Centralblatt für med. Wiss. 1879. 4) Manassein, Centralblatt für med. Wiss. 1871.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21042391_0056.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


