Handbuch der klinischen Mikroskopie : mit Berücksichtigung der wichtigsten chemischen Untersuchungen am Krankenbette und der Verwendung des Mikroskopes in der gerichtlichen Medicin / von Giulio Bizzozero.
- Giulio Bizzozero
- Date:
- 1883
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Credit: Handbuch der klinischen Mikroskopie : mit Berücksichtigung der wichtigsten chemischen Untersuchungen am Krankenbette und der Verwendung des Mikroskopes in der gerichtlichen Medicin / von Giulio Bizzozero. Source: Wellcome Collection.
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![gewöhnlicher Zimmertemperatur, oder um etwas weniges erhöhter, lässt man dann wieder das Ganze austrocknen, worauf man es in wenig Dammar ein- schliesst. Sind Mikrophyten in der Probe enthalten, so erkennt man sie unter dem Mikroskope leicht an ihrer starken Färbung, während die Leukocyten und rothen Blutkörperchen nur wenig alterirt sind. Es wird gut sein, mit starken Immersionslinsen zu untersuchen, da man es mit in der Regel eminent klei- nen Gebilden zu thun hat. Findet man bei so behandelten Blutproben keine Mikrophyten, so darf man desswegen keineswegs Infektionskrankheiten ausschliessen, denn die Parasiten können in irgend einem Organe angehäuft sitzen, ohne den Blutsstrom in Mitleidenschaft zu ziehen. Bei Exsudaten ist aber das Resultat der Unter- suchung wohl massgebend, denn Ehrlich fand z. B. in den Exsudaten der Pleuritis, der Synovitis rheumatica, der frischen Arthritis gonorrhoica, niemals Mikroorganismen, während er in durch Puerperal-Sepsis bedingten Entzün- dungsprocessen konstant Mikrococcen, kettenförmig aneinandergereiht, vor- fand. In einem Falle von hämorrhagischer Pleuritis einer Wöchnerin konnte Ehrlich wegen Mangel von Mikroorganismen im Exsudate eine septische Affektion geradezu ausschliessen; den Beweis dafür lieferte der Verlauf der Krankheit. Bis jetzt können wir über die Tragweite dieser Methode , in diagnosti- scher Hinsicht, nicht unser Urtheil entgiltig aussprechen, immerhin kann man bis jetzt noch die Wichtigkeit dahingestellt sein lassen. Gewiss bedarf aber diese Untersuchung eines geübten Auges und technischer Gewandtheit. 25. Zwei Arten der Mikrophyten können Dank ihrer bestimm- ten Form mit Sicherheit erkannt werden. In diesen Fällen wäre demnach die mikroskopische Untersuchung die Basis für verläss- liche Diagnosen. Obermeier1) hat nämlich beiFebris recurrens (Kückfall-Typhus) im Blute Spirillen [Spirochaetae, Cohn] entdeckt, die aber nur bei genauer Untersuchung gesehen werden, da sie äusserst blass und dünn sind. Sie erscheinen (Taf. 1 Fig. 4) als blasse, homogene, ungegliederte Fasern, zu Spiralen aufgerollt von der 1 bis 8 fachen Länge des Durchmessers eines rothen Blutkörperchens. Sie zei- gen lebhafte Bewegung, gewöhnlich bewegen sie sich im Sinne ihrer Längsaxe nach vor und rückwärts, oft auch nach den Seiten hin sich umbiegend. Ihre Anzahl im Blute variirt sehr, je nach den Stadien des Krankheitsverlaufes, darum schliesse man den Rückfäll-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21042391_0060.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


