Untersuchungen über den constitutionellen Mercurialismus und sein Verhältniss zur constitutionellen Syphilis / von Adolph Kussmaul.
- Adolf Kußmaul
- Date:
- 1861
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Credit: Untersuchungen über den constitutionellen Mercurialismus und sein Verhältniss zur constitutionellen Syphilis / von Adolph Kussmaul. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Er geht mit diesen namenlosen Paradoxenjägern, „qui firmum cercb- rum non habent“, nicht sehr säuberlich um, noch gröber aber ist gegen diese „homuncuh leves“ der Antimercurialist Aurelius Minadous [1596]J) in dem letzten Kapitel seines Tractatus de virulentia venerea, das die Ueber- schnft fuhrt: „Galhcum appellatum Morbum non esse Chymaericum aut fictitium, sed verum atque realem“. Erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts trat meines Wissens ein Schrift- steller auf, der unter anderen „Absurdis veris sive Paradoxis medicis“ auch das Absurdum behauptete: es existire kein Morbus GallicuS2). Der Autor Sinapius (Senf), ein Warschauer Arzt und Doct. Nobil. Hungar., erlaubt sich nicht etwa einen Scherz, er läugnet die Lustseuche in vollem Ernste, wie spasshaft auch die Gründe sind, die er anführt. Sein erster Einwurf beruht in dem Syllogismus: Quicunque morbus fuit antequam fuit, ille morbus est ch^maericus“. Schon vor 1494 gab es unsaubere Dirnen, menstruirte ■Weiber, impuri concubitus, exanthemata, pustulae, caries ossium, dolores osteocopi u. s. w. „Ergo morbus Gallicus fuit antequam fuit“. Der 10. Einwurf läugnet, dass die sogenannte Lues venerea aus unreinem Beischlafe hervorgehe , da die frömmsten und keuschesten Menschen davon befallen werden könnten, und die eigene Ehefrau den Mann zuweilen anstecke. „Novi alium Medicum Capituli N. N. , erzählt er anderswo, „qui toties quoties D. D. Canonici inflrmantur, eos terrere solet, quod morbo Gallico laborent, eosque statim ad decoctum bibendum condemnat“. Die Lues soll sogar aus allzugrosser Enthaltsamkeit hervorgehen, er habe bei einem Witt wer einen solchen Fall beobachtet; das Ehebett habe diesen sehr ehrbaren Herrn wieder hergestellt. Diese Proben dürften zur Charakteristik des Dr. Senf hinreicben. Unser aufgeklärtes 19. Jahrhundert hat merkwürdiger Weise die meisten Syphilisläugner aufzuweisen. Im Jahre 1811 behauptete Jemand, der klüger war als Sinapius, und durch Verschweigung seines Namens der Gefahr einer unsterblichen Lächer- lichkeit sich entzog: es gebe keine venerische Ansteckung. Man hielt die Sache für Ironie und schenkte ihr keine Beachtung. Der Titel der Schrift sagt Alles: Sur la non-existence de la maladie venerienne, ouvrage, dans lequel il est prouvo, que cette maladie inventee par les medecins du XV. siiclc n’est que la reunion d’un grand nombre d’afTections morbiflques de nature differente, dont on attribue la cause ä un virus contagieux qui n’a jamais existe. Strasbourg 1811. 8°. ') Aurelius Minadous: Traet. de virul. vener. Venet. 1596. p. 279. 2) Mich. Aloys. Sinapius: Absurda vera sive Paradoxa medica. Genev. 1617.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28100864_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)