Lehrbuch der Zoologie für Studierende und Lehrer / Von J.E.V. Boas. Mit 427 Abbildungen.
- Johan Erik Vesti Boas
- Date:
- 1894
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Credit: Lehrbuch der Zoologie für Studierende und Lehrer / Von J.E.V. Boas. Mit 427 Abbildungen. Source: Wellcome Collection.
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![australischen Gattung Hydromys) fehlt auch ein Molar, nämlich der hinterste, w3 *. Während die Gelenkfläche am Schädel für den Unterkiefer bei den meisten Säugethieren eine quergestellte Fläche oder Grube ist, stellt sie bei den meisten Nagethieren eine Längsfurche dar, so dass der Unterkiefer eine bedeutende Beweglichkeit von vorn nach hinten besitzt (beim Kauen wird der Unterkiefer vorwärts und rückwärts gezogen: die Schmelzstreifen der Backenzähne haben die entgegen- gesetzte Hauptrichtung, der Quere nach). — Die Füsse sind im All- gemeinen klein, krallentragend, und das Thier tritt in der Regel mit dem ganzen Fuss auf; der Daumen der Vorderfüsse ist meistens rudi- mentär oder fehlt, während die anderen Finger und Zehen bei der Mehrzahl sämmtlich vorhanden sind. — Bei mehreren Nagethieren finden sich innere Backentaschen, Ausstülpungen der Backen, welche mit der Mundhöhle in Verbindung stehen; bei einzelnen sind ungefähr an derselben Stelle äussere, mit Haaren bekleidete Hauteinstülpungen (äussere Backentaschen) vorhanden1). Die Nager bilden eine artenreiche, sehr verbreitete Gruppe von meistentheils kleineren Säugethieren, welche fast ausschliesslich Pflan- zenfresser sind. 1. Die Hasenfamilie (Leporidae). y i, 5-°^'-ü b] der grosse Schneidezahn im Zwischenkiefer mit einer Furche; die Backenzähne wurzellos, gefaltet. Die Hasenga ttung (Lepus) mit -| &, langen Ohren, sehr kurzem Schwanz, langen Hintergliedmaassen 2) ; hierzu der Feld- hase (L. europaeus) 3), durch den grössten Theil Europas verbreitet, und der Schneehase (L. timidus oder variabilis), in den nördlichen Theilen Europas und Asiens, in Grönland und auf den Alpen und Pyre- näen ; letzterer wird in kälteren Gegenden im Winter weiss; ferner das kurzbeinigere, grabende Kaninchen (X. cuniculus), in Südeuropa ein- heimisch, an manchen Stellen in Deutschland verwildert. Die Pfeif- hasen (Lagomys) mit b, kurzen Ohren, kürzeren Hintergliedmaassen als die Hasen, schwanzlos; in Sibirien und Nordamerika. 2. Die Eichh örnchen-Familie (Sciuridae). | b, höckerig oder gefaltet, der vorderste Oberkieferbackenzahn sehr klein; Daumen rudi- mentär; Schwanz behaart. Hierzu das Eichhörnchen (Sciurus vul- garis) mit langem, buschigem Schwanz, Baumthier, ebenso wie die f lie- genden Eichhörnchen (Pteromys), welche durch den Besitz einer grossen Hautfalte (Fallschirm) an den Seiten des Rumpfes zwischen Vorder- und Hintergliedmaassen ausgezeichnet sind (eine Art, Pt. volans, in Nordrussland). Die Murmelthiere (Arctomys) sind grabende Thiere, Winterschläfer, von gedrungenerem Bau, mit kurzen Ohren und kurzem Schwanz ; eine Art (A. marmota) in den Alpen. Letzteren 1) Bei den Säugethieren findet sich im Oberkieferknochen ein kürzerer oder längerer Kanal, der Oberkieferkanal (Canalis infraorbitalis), durch welchen ein grösserer Nerv (der Oberkieferast des Nervus trigeminus) verläuft; die vordere Oeflnung des Kanals befindet sich vor der Augenhöhle und wird als Unteraugenhöhlenloch (Foramen infraorbitale) bezeichnet. Bei den Nagern ist der Oberkieferkanal ganz kurz und in der Regel sehr weit, und eine Portion des äusseren Kaumuskels (Masseter) geht dann durch denselben hindurch. 2) Die Fusssohlen sind anscheinend ganz behaart, in Wirklichkeit sind jedoch kleine Sohlenballen vorhanden, welche aber von den Haaren der angrenzenden Haupt- partien überdeckt werden. 3) In manchen Büchern irrthümlich mit dem Namen L. timidus bezeichnet. Boas, Zoologie. 2. Aufl. 3J](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28089820_0597.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


