Anleitung zur Ausmittelung der Gifte : und zur Erkennung der Blutflecken bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen / von Fr. Jul. Otto.
- Friedrich Julius Otto
- Date:
- 1875
Licence: Public Domain Mark
Credit: Anleitung zur Ausmittelung der Gifte : und zur Erkennung der Blutflecken bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen / von Fr. Jul. Otto. Source: Wellcome Collection.
182/208 page 162
![Nach einem Morde ist es bisweilen von höchster Wichtigkeit, zu ent-, scheiden, oh Flecken auf Kleidungsstücken, auf dem Fusshoden, auf einem Messer, Beile u. s. w. Blutflecken sind oder nicht, und auch in anderen Fällen kann der Nachweis, Flecken rühren von Blut her, als Indicium dienen '). Dass die Erkennung von Flecken als Blutflecken unter man- chen Umständen leicht sein werde, unter anderen Umständen mehr oder weniger schwierig sein müsse, ja unmöglich sein könne, leuchtet ein, wenn man berücksichtigt, wo und wie sich die Flecken vorfinden können. Die Flecken können frisch oder alt sein, es kann versucht sein, sie durch kal- tes oder heisses Wasser zu beseitigen, das Zeug kann ungefärbt oder ge- färbt sein, der Fusshoden kann Holz, Stein oder Erde, das eiserne Instru- ment blank oder rostig sein. Bis vor etwa fünfzehn Jahren war man in Bezug auf die Erkennung von Blutflecken fast ausschliesslich auf chemische Reactionsmittel ange- wiesen , deren Natur und Benutzung sich darauf gründete, dass das Blut einen rotlien, eisenhaltigen Farbstoff und Proteinsubstanzen enthält. Man sah zu, oh sich, durch Wasser oder alkalisches Wasser, aus den Flecken ein röthlicher Auszug erhalten liess oder nicht; oh der Auszug die Reactionen einer proteinhaltigen Flüssigkeit gab, oder nicht; ob Eisen vorhanden, oder nicht; man versuchte die Bildung von Cyankalium, wo- bei man wohl beachten musste, dass Wolle, Seide, stickstoffhaltige orga- nische Substanzen überhaupt, die Bildung von Cyankalium veranlassen. Aus der ganzen Reihe bejahender Reactionen dieser Art zog man nun den Schluss, die Flecken seien Blutflecken. An einem specifischen Er- kennungsmittel des Bluts fehlte es, wenn es nicht etwa möglich war, das Vorhandensein von Blutkörperchen durch das Mikroskop nachzuweisen. Seit jener Zeit haben sich die Verhältnisse sehr zu Gunsten der Sache geändert; wir besitzen jetzt ein Erkennungsmittel des Bluts, das ]) Ein solcher Fall ist z. B. der folgende. Es war ein Hammel gestohlen und das Thier an Ort und Stelle abgekehlt worden. Au dem Taschenmesser um der Kleidung des des Diebstahls verdächtigen Individuums wurden 1* lecken als Blutflecken erkannt. *](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112210_0182.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


