Anleitung zur Ausmittelung der Gifte : und zur Erkennung der Blutflecken bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen / von Fr. Jul. Otto.
- Friedrich Julius Otto
- Date:
- 1875
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Credit: Anleitung zur Ausmittelung der Gifte : und zur Erkennung der Blutflecken bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen / von Fr. Jul. Otto. Source: Wellcome Collection.
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![betrachtet, braun. In Wasser suspendirt oder in anderen ungefärbten Flüssigkeiten (z. B. Essigsäure) erscheinen sie violettgrau, metallglänzend und bei der Bewegung stark glitzernd. Sie sind doppelt-brechend. Betrachtet man einen durchsichtigen Häminkrystall (er muss auf der breiten Seite liegen) unter dem Mikroskope durch ein Nicol’sches Prisma, so erscheint er dunkelbraun oder schwarz, wenn die Schwingungs- 1 ichtuug des Prismas mit der Makrodiagonale des Rhombus zusammen- lallt, hellgelbbraun, wenn seine Schwingungsrichtung mit der Brachy- diagonale des Rhombus coiucidirt (Rollet). Die Häminkrystalle sind in den gewöhnlichen Lösungsmitteln (z. B. in Wasser, Weingeist, Aether) vollkommen unlöslich, sie lösen sich in rauchender Schwefelsäure, Salpeter- säure und namentlich in Alkalien auf. In kalter Essigsäure sind sie so gut, wie unlöslich. Lässt man mittelst eines dünnen Glasstäbchens zu dem mikrosko- pischen Präparate einen Tropfen mässig concentrirter Kalilauge fliessen, so verschwinden die Krystalle und man erhält eine dichroitische, in dünner Schicht grün, in dickerer Schicht roth erscheinende Lösung (siehe unten). Die Häminkrystalle können wohl nicht mit anderen Krystallen ver- wechselt werden; man überzeuge sich indess doch durch das Mikroskop, ehe man das Object mit Essigsäure erhitzt, dass in demselben Krystalle nicht vorhanden sind. Aus mit Indigo gefärbtem Zeuge werden (nach Brücke) durch Behandlung mit Essigsäure auch Krystalle erhalten. Diese sollen sich aber von den Iläminkrystallen durch ihre blaue Farbe und abweichende Krystallform unterscheiden. Der Zusatz von Kochsalz bei der Darstellung der Häminkrystalle ist nicht durchaus nothwendig, wenn das Blut nicht durch Aüswaschen von seinen salzartigeu Bestandtheilen befreit ist, aber es ist doch rathsam, weil nie nachtheilig, denselben zu machen. Etwa sich zeigende farblose Kochsalzkrystalle sind leicht zu unterscheiden und durch Wasser zu entfernen. Die Häminkrystalle geben, wie gesagt, ein specifisches Erkennungs- mittel des Bluts ab. Glückt die Darstellung derselben, so kann man mit der grössesten Bestimmtheit den fraglichen Fleck als einen Blutfleck ansprechen, auch wenn wegen Mangels an Substanz andere Reactionen mit demselben nicht angestellt werden können. Man muss die Hämin- krystalle deshalb vor Allem zu erhalten suchen, wenn man nur über geringe Mengen von Substanz zu verfügen hat. Indessen gelingt ihre Darstellung aus Blutflecken doch nicht in allen Fällen, so dass man aus dem Nichterhalten derselben nicht mit Bestimmtheit den Schluss ziehen darf, dass der fragliche Fleck kein Blutfleck sei. Ist das Blut einige Zeit mit verwesenden oder faulenden organischen Stoffen in Berührung gewesen und in Folge dessen gründlich zersetzt worden, so ist es nicht immer möglich, aus demselben die Krystalle darzustellen (Preyer ]). Ebenso ) Die Blutkrystalle. Jena 1871, S. 112 u. flgrl.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112210_0186.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


