Die Philosophie in ihrer Geschichte / Von Dr. Friedrich Harms.
- Friedrich Harms
- Date:
- 1878, '81
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Credit: Die Philosophie in ihrer Geschichte / Von Dr. Friedrich Harms. Source: Wellcome Collection.
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![Wenn daher auch in der Abhandlung der Logik und der Metaphysik des Aristoteles ein Anlass enthalten ist zur Ent- stehung der von der Metaphysik getrennten formalen und pro- pädeutischen Logik auf der einen Seite und der von der Logik getrennten dogmatischen Metaphysik auf der andern Seite, so ist doch weder der Formalismus dieser Logik, noch der Dog- matismus der neben ihr hergehenden Metaphysik selbst in der Philosophie des Aristoteles enthalten. Denn Piaton und Aristo- teles befinden sich vielmehr auf dem Standpunkte einer kritischen Philosophie, welche das Erkennen zugleich nach seiner Form und seinem Gegenstande untersucht. Aber diese Untersuchungen ruhen bei Beiden auf positiven und nicht auf negativen Ueber- zeugungen, indem sie annehmen, dass eine Begründung des Er- kennens und der Wissenschaft möglich ist und weit entfernt sind von der modernen Verzweiflungsphilosophie, welche das Erkennen begründen will aus der Unmöglichkeit des Erkennens. Zu den logischen Schriften des Aristoteles rechnet mau auch seine Kategorienlehre, welche nach der gewöhnlichen Anordnung den analytischen oder logischen Abhandlungen vorher geht, wodurch jedoch die Frage nach der Stellung von Logik und Metaphysik bei dem Aristoteles von Neuem hervortritt. Denn in den Ka- tegorien werden gedacht Formen des Seins, welche sowohl in der Logik wie in der Metaphysik zur Anwendung kommen, weshalb man die Kategorienlehre wiederum als eine Einleitung und als eine Art Vorwissenschaft, sowohl zur Logik, wie zur Metaphysik rechnen kann und gerechnet hat. Die Kategorien- lehre würde allen Wissenschaften vorhergehen. Nimmt man an, dass die Kategorienlehre selbst der Logik vorhergeht und zu Grunde liegt, wie es in der Anordnung der aristotelischen Schriften geschieht, so wird dadurch die Logik, die Lehre von den Formen des Denkens, nicht bloss hinterher, sondern schon im Voraus von der Lehre von den Formen des Seins, wie] sie in den Kate- gorien gedacht werden, abhängig, welches auch thatsächlich immer der Fall gewesen ist. Denn ohne eine gewisse Kategorien- lehre und wenn sie auch nur sprachlich ist, giebt es überall gar keine Logik, die stets und überall wenigstens von der Meta- physik in der Sprache abhängig ist. (Die Reform der Logik S. 165). Offenbar ist ein Mangel an architektonischem Denken bei dem Aristoteles vorhanden, welches er nicht wie Piaton geübt](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21021247_0059.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)