Klinische Darstellung der Krankheiten des Auges : zunächst der Binde-, Horn- und Lederhaut dann der Iris und des Ciliarkörpers.
- Carl Ferdinand von Arlt
- Date:
- 1881
Licence: Public Domain Mark
Credit: Klinische Darstellung der Krankheiten des Auges : zunächst der Binde-, Horn- und Lederhaut dann der Iris und des Ciliarkörpers. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
307/372 (page 295)
![3. Coloboma iridis. Dio angeborne Spaltbildung der Iris, zumeist mit nachweisbarer Spaltbildimg' in der Chorioidea und oft zugleich mit Mikrophthalmus vorhanden, kommt bald uui- bald bilateral nach unten oder innen-unten iu verschiedener Gestalt und Ausdehnung vor. - In den meisten Fällen ist der Zustand leicht als solcher zu erkennen. Die Gestalt der Pupille ist bim- oder schlüssellochförmig, indem der Pupillarrand unten bis nahe an oder ganz in den Ciliarrand mit convergirenden Schenkeln verläuft oder aber indem die Ränder der Lücke in ihrem Verlaufe gegen die Peripherie (bis in den Ciliarrand) mehr weniger divergireu. In jedem Falle ist die Iris in ihrer oberen Hälfte merklich breiter (vom Pupillar- zum Ciliarrande) und liegt die Pupille schon aus diesem Grunde etwas excentrisch. Betrachtet man den Sphinkter (kleinen Kreis) genauer, so erscheint er da, wo die natürliche Pupille in die Lücke der Iris übergeht, nicht abgeschnitten, sondern an den Rändern der Lücke abwärts umbiegend und erst allmälig in den scharfen Rand der Lücke sich verlierend, zuletzt durch einen narbenähnlichen lichtgrauen Streifen vertreten. Der Sphinkter ist also in solchen Fällt]! mehr weniger gegen den Ciliarrand hingezogen und fehlt nur in der Mitte des Coloboms. Die Schenkel des Coloboms ziehen, wenn dieses bis an die äusserste Peripherie reicht, jedesmal rückwärts (gleichsam gegen die Ciliarfortsätze hin). Bei schlüssellochförmigen Colobomen läuft der Sphink- ter zu beiden Seiten der Lücke in ein stumpfes warzenähnliches Anhängsel aus; auch hier streichen die scharfen Ränder der Lücke nach hinten. — Als niedrigster Grad erscheint eine leichte Einkerbung des Pupillar- randes, an welcher sich ein analoges Verhalten des Sphinkters nach- weisen lässt, oder von welcher aus eine Art grauer Raphe durch die Iris abwärts streicht. Manchmal erstreckt sich von der Kerbe am Pupillar- rande ein V-förmiger Streifen nach unten, welcher wegen Mangels des Uvealblattes daselbst (wie ich aus Sectionen weiss) lichter erscheint. - Seltener kommt es vor, dass die Lücke in der Iris von der normalen Pupille durch einen grauen Streifen getrennt erscheint, welcher die beiden Sphinktereuden brückenähnlich verbindet (doppelte Pupille). Diese Spaltenbildung erstreckt sich, wie wir bei der Betrachtung der Abnormitäten der Chorioidea sehen werden, in den meisten Fällen von der Iris durch den ganzen Uvealtractus in verschieden hohem Grade. Das Iriscolobom, namentlich das birnförmige setzt an und für sich weniger Störung des Gesichtes, als man erwarten sollte. Der Grund der Sehstörung ist vielmehr in der Fortsetzung der Spaltbildung, welche](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2103560x_0307.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)