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Credit: Die störungen der geschlechtsfunctionen des mannes. Source: Wellcome Collection.
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![dem üebel nicht ab, da die Sehenkel die Eolle der letzteren übernahmen. Bei einem anseheinend offenen, wohlerzogenen Knaben, den ein „unwider- stehliches Jucken mitten in der Nacht an den Gittern seines Bettes emporklettern Hess, bis er doch bei halbem Bewusstsein dem übermässigen Triebe unterlag, fanden wir in der That ein chronisches, über den Unter- körper weitverbreitetes Ekzem. Immerhin ist in solchen Fällen das eigene A^erschuldeu nicht ganz zu streichen, wie überhaupt diese und ähnliche Vorkommnisse der wohlbewussten Onanie gegenüber als versehwindend selten zu gelten haben. Es handelt sich also im Wesentlichen um eine unnatürliche Be- friedigung des Geschlechtstriebes. Das Laster ist ungemein weit verbreitet, zeithch und örtlich. Beste Autoren (Fleischmann, Henoch u. A.) berichten von willkürlichen Wiegebewegungen, welche sie bei kleineren Kindern und selbst Säuglingen als Ausdruck onanistiseher Eeizung be- obachtet. Doch dürften derartige Schaukelbewegungen, welche mit dem Begriffe der bewussten unnatürlichen Handlung nichts gemein haben, der Eeflexaction und der unwillkürlichen Bethätigung eines allgemeinen Be- haglichkeitsgefühles näher stehen, als der Onanie. Als weniger harmlos schon sind die unter sichtlich wachsenden Erregungen vollzogenen Eeizungen der Genitalien seitens kleinerer Kinder zu betrachten, zumal wenn .Erection und convulsivisehe Zustände ins Spiel kommen; gleich Ourschmann haben wir diese offenbare Masturbation bei Kindern von fünf Jahren und darunter beobachtet. Allein auch diese sporadischen Vor- kommnisse haben wenig vom Begriffe des systematisch betriebenen Lasters an sieh, dessen Hauptentwieklung in die Zeit der reifenden Pubertät fällt. Schulen und sonstige Sammelanstalten, insbesondere der Knaben, liefern das Hauptcontingent. Verführung und Nachahmungstrieb können hier im Verein mit ungenügender Ueberwachung entsetzliche Zustände schaffen, derart, dass gerade das Gros der Schüler der verderblichen Gewohnheit verfällt, während sie das Zusammenleben von Mädchen in Instituten nur an Einzelnen zu reifen pflegt. Hier wie im späteren Jünglingsalter über- haupt redueirt Sitte und Verstand allmälig die Intensität des Lasters gleich der Zahl seiner Anhänger, obwohl selbst die Ehe und das Greisen- alter die geheimen Sünden nicht auf den Aussterbeetat zu setzen vermag. Uns sind Fälle bekannt, in welchen glücklieh verheiratete, kinderreiche Väter in den gesetzten Jahren nicht von ihrem schlimmen Treiben zu lassen vermochten, selbst dann nicht, wenn der Coitus naturalis keineswegs als eingeschränkter gelten konnte. Ein Bankier unserer Beo])aehtung verfiel dem Laster „auf jeder Eeise, auch wenn dieselbe natürlichen Gesehlechts- genuss brachte. Zerstreute Eückfälle in den Zeiten der durch äussere Um- stände gebotenen ehelichen Abstinenz scheinen etwas ganz Gewöhnliches zu sein. Sind ia doch die treibenden und hemmenden Kräfte, wie v. Krafft-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21221625_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


