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Credit: Die störungen der geschlechtsfunctionen des mannes. Source: Wellcome Collection.
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![Ebing treffend bemerkt, wandelbare Grössen; auf erstere haben Constitution und organische Einflüsse, auf die letzteren Erziehung und Selbsterziehung gewichtigen Einfluss. Der Hang zur Onanie kann auch vererbt werden (Oppenheim). Verhängnissvoll wirkt der Alkoholübergenuss, insoferne er mit der Auslösung der Libido die sittliche Widerstandsfähigkeit herab- setzt. Dass man, was Beard hervorhebt, dem Laster auch bei halbculti- virten und wilden Yölkerstämmen sowie Thieren begegnet, ist nach Obigem ohne Weiteres verständlich. Pferdezüchtern ist der schädigende Einfluss der Onanie auf edle Hengste besonders geläufig. Dass locale Erkrankungen des Urogenitalapparates an sich Onanie bedingen, glauben wir kaum und vermögen nur zuzugeben, dass gewisse Abnormitäten, obenan die Phimose und Blasensteine, die Eolle eines ätio- logischen Förderungsmittels, zumal in den ganz zarten Jahren spielen. Mit wenigen Ausnahmen haben sich uns die Genitalien der von uns unter- suchten Onanisten als normal gebildet und frei von Entzündungen erwiesen. Die Wirkungen der Onanie auf den Körper werden von Aerzten und vollends Laien heutzutage kaum weniger widersprechend beurtheilt und abgeschätzt, als vor einem halben Jahrhundert, da der gleich geist- volle wie phantastische Lallemand durch sein berühmtes Werk über die unfreiwilligen Samenverluste die Literatur der Oulturstaaten zu befruchten begann. Um ganz abzusehen von einer Eeihe kläglicher Elaborate, zu deren Yerfassern sich Aerzte bekannt, und dem Heer der in der Tages- presse ausgebotenen Schriften Halbgebildeter, über deren bedenklichen Charakter kein Zweifel übrig bleiben kann, begegnen wir auffallend con- trastirenden Ansichten unter den ehrlichsten und gediegensten Fach- leuten. Hier die düstersten Zeichnungen der Zukunft eines jeden Onanisten, dort die selbstbewussteste Yersicherung, dass, wo überhaupt das Laster zu Störungen der Gesundheit geführt, diese zu den harmlosesten zählten und der Sistirung der Gewohnheit prompt wichen. Das Eichtige liegt in der Mitte: Mit Energie und jahrelang getriebene, zumal in früher Jugend begonnene (Beard, Eockwell) Onanie schafft in der Mehrzahl der Fälle ernstere, selbst dauernde Benachtheiligungen der körperlichen und geistigen Gesundheit, die freilich je nach der Individualität der Masturbanten ]3e- deutende Schwankungen der Intensität und Gruppirutig aufweisen; dass selbst höhere Grade des Lasters ganz spurlos an Onanisten verlaufen, ist Ausnahme, aber ganz unzweifelhaft beobachtet. Wir erinnern an den von Curschmann citirten jungen geistvollen, schönwissenschaftliehen Schriftsteller, der, trotzdem er seit 11 Jahren aufs Intensivste der Onanie gefröhnt, körperlich und geistig frisch geblieben, mit bedeutendem Erfolg literarisch thätig war. Ein Doeent in den mittleren Jahren, der uns ganz Aehnliches gestanden, und den selbst die Ehe nicht von zahlreichen Eück- fällen bewahrt, hat seine robuste Körperconstitution ungeschwächt er-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21221625_0036.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


