Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1907
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![Der Zucker erschein! im Harn meist mit Beginn der stärkeren Milchsekretion, also am 2., 3. oder 4. Tage der Laktation, um alsdann wieder zu verschwinden, wenn das Kind anfängt, größere Mahlzeiten zu nehmen. Man kann, wie ich zuerst in Gemeinschaft mit Gr. Zülzer nachwies, durch Darreichung von Traubenzucker bei Wöchnerinnen die Ausscheidung von Milchzucker steigern. Naunvn bestätigte dies, während von Gusnar keinen positiven Ausschlag erhielt. Soweit die bekannten Tatsachen. Daß ein Drüsensekret, wenn es ungenügende Verwendung findet, in den Kreislauf aufgenommen und wenigstens teilweise im Urin ausgeschieden wird, ist im Organismus nicht ohne Analogie. Ich darf z. B. daran erinnern, daß der hungernde und, wegen mangelnder Erregung der peripheren Nerven, nur wenig Speichel absondernde Mensch sehr bedeutende Mengen von Speichelferment (Ptyalin) resorbiert und im Harn ent- leert. Dasselbe gilt von Schlacken des Stoffwechsels, die wegen Behinderung des Abflusses in den Kreislauf zurückgeworfen werden: Gallenpigment, Gallensäuren. Warum die gewiß nicht allzu großen Mengen von Milchzucker, die aus der Drüse in das Blut übergehen, nicht zersetzt, sondern im Urin ausgeschieden werden, war unklar und der Gegenstand vieler Hypothesen, bis F. Voit vor kurzem zeigte, daß Milchzucker überhaupt nicht von den Geweben angegriffen wird, wenn er als solcher in die Blutbahn gelangt (cf. S. 6). Der Milchzucker wird von dem Organismus nur verwertet, nachdem er beim Durchgang durch den Darm in seine Komponenten (Glykose und Galaktose) zerlegt ist. Mit diesem Nachweis ist die Unhaltbarkeit der früher von von Noorden und Zülzer aufgestellten, anders lautenden Eypothese dargetan. VI]. Die liepatogenen (ilykosurien und ähnliches. Lange bevor die Untersuchungen über die transitorische alimen- täre Glykosurie der Gesunden ernstlich in Angriff genommen waren, wendete sich schon das Interesse der Frage zu, ob gewisse Krank- heiten die Assimilationsgrenze für Zucker herabsetzen. Es kommen hier folgende Erwägungen in Betracht:](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23983723_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


