Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1907
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![6. Syphilis. Lei] muß mit wenigen Worten auf die Beziehungen der Syphilis /um Diabetes eingehen. Daß bei zahlreichen Diabetikern teils intra viiam, teils post mortem Zeichen der Syphilis gefunden werden, ist zweifellos und kann bei der ungemeinen Verbreitung der Seuche durchaus nicht verwundern. Einzelne Fälle von Diabetes sind schon vor langer Zeit auf Syphilis zurückgeführt. Es waren Fälle, in denen sich Erkrankungen der Hirnarterien und des Gehirns auf syphilitischer Grundlage entwickelt hatten. Wenn man überhaupt zuläßt, daß von den nervösen Zentralorganen aus Diabetes ver- ursacht werden kann, so muß folgerichtig auch zugegeben werden, daß in derartigen Fällen Diabetes mit der Syphilis in mittelbarem kausalen Zusammenhange zu stehen vermag. In anbetracht dessen, daß der neurogene Diabetes sich öfters als heilbar erweist und verschwindet, wenn die Gehirnkrankheit erlischt, ist diese Betrach- tung auch therapeutisch wichtig. Immerhin ist äußerste Vorsicht bei der Annahme einer solchen Verknüpfung geboten; denn die Erkrankung des Zentralnerven- systems und der Diabetes können auch koordinierte Folgen der Syphilis sein, indem letztere unmittelbar schädigend auf das Pan- kreas einwirkt. Es ist sehr naheliegend, die Erkrankungen des Pankreas auf syphilitischen Ursprung zu prüfen. Unter allen zu Diabetes führenden Krankheiten des Pankreas scheinen einfache Atrophierung und Sklerosierung (Bindegewebswucherung auf Kosten des Parenchyms) an Häufigkeit obenan zu stehen. Nach Analogie anderer, von Syphilis abhängiger Erkrankungen drüsiger Organe können diese anatomischen Veränderungen entweder direkt oder mittels vorhergehender Endarteriitis durch Syphilis veranlaßt werden. Es ist noch nicht ausgemacht, in welchem Umfange dies tatsäch- lich der Fall ist. Ich habe schon erwähnt, daß in gewissen Fällen der Diabetes der Kinder vielleicht mit hereditärer Lucs in Be- ziehung steht (cf. S. 43 und Kap. VII). Andererseits ist es eine entschiedene Uebertreibung, wenn manche Autoren den Diabetes schlechtweg als syphilitische Er- krankung ausgeben. Ich linde eine derartige Auffassung in der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23983723_0084.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


