Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen / von S. Curie ; übersetzt und mit Litteratur-Ergänzungen versehen von W. Kaufmann.
- Marie Curie
- Date:
- 1904
Licence: Public Domain Mark
Credit: Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen / von S. Curie ; übersetzt und mit Litteratur-Ergänzungen versehen von W. Kaufmann. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
42/152 page 28
![Wismuts beweist durchaus nicht mit Sicherheit, daß die Substanz nur Wismut enthält, denn es giebt Körper, deren Spektralreaktion sehr wenig empfindlich ist. Es wäre nötig, eine kleine Quantität Polonium-haltigen Wis- muts in möglichst großer Koncentration herzustellen und dieses chemisch zu untersuchen, vor allem bezüglich des Atomgewichts des Metalls. Diese Untersuchung konnte noch nicht ausgeführt werden, wegen der eben erwähnten Schwierigkeit bei der chemi- schen Arbeit. Wenn es erwiesen wäre, daß das Polonium ein neues Element ist, so wäre es darum nicht weniger wahr, daß dieses Element nicht beliebiof lanefe im stark aktiven Zustande exi- stiren kann, wenigstens sobald es von dem Mineral getrennt ist. Man kann also die Frage auf zwei verschiedene Weisen be- trachten: 1. Entweder ist die ganze Aktivität des Poloniums bloß von den benachbarten radioaktiven Substanzen inducirt. Das Polonium hätte dann also die Fähigkeit, seine Atome in lang- dauernder Form zu induciren, eine Fähigkeit, die nicht allen Sub- stanzen zuzukommen scheint i); 2. oder die Aktivität ist eine dem Polonium selbst angehörige, die sich unter gewissen Bedingungen von selbst zerstört, unter gewissen anderen Bedingungen, die in dem Mineral realisirt sind, beständig sein kann. Die Erscheinung der Atomaktivirung durch Kontakt ist so wenig bekannt, daß es an jeder Grundlage mangelt, um sich eine bestimmte Meinung in dieser Frage zu bilden. Ganz kürzlich ist eine Arbeit von Herrn Marckwald^) über das Polonium erschienen. Marckwald taucht einen reinen Wis- mutstab in eine Lösung von Wismutchlorid, das durch Behandlung von Pechblendenrückständen erhalten ist. Nach einiger Zeit be- deckt sich der Stab mit einem stark aktiven Niederschlag und die Lösung enthält nur noch inaktives Wismut. Marckwald erhält ebenfalls einen sehr aktiven Niederschlag, wenn er Zinn- chlorid einer Lösung von radioaktivem Wismutchlorid hinzufügt. Er schließt daraus, daß das aktive Element dem Tellur analog ist, und giebt ihm den Namen Radiotellur. Die aktive Sub- stanz Marckwalds scheint mit dem Polonium identisch durch ^) Siehe auch neuere Versuche von P. Giesel [Ber. d. deutsch, ehem. Ge?. 36, 2368 (1903)]. (Anm. d. Übers.) ^) Ber. d. deutsch, ehem. Ges., Juni 1902, Dec. 1902.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21175275_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


