Tuberculose, Aktinomykose, Syphilis des Magen-Darmkanals / von Conrad Brunner.
- Conrad Brunner
- Date:
- 1907
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Credit: Tuberculose, Aktinomykose, Syphilis des Magen-Darmkanals / von Conrad Brunner. Source: Wellcome Collection.
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![Häufiger als bei der kongenitalen Syphilis treffen Avir hier das gummöse Infiltrat im Zustande regressiver Metamorphose, geschwürigen Zerfalls. Die gummöse Ulzeration, im Tertiärstadium auftretend, meist in großer Zahl über den Dünndarm zerstreut, steht im Vorder- grund der Beobachtungen. Chiari zählte 21 Geschwüre, E. Fränkel 31 und Meschede sogar 54. Dabei Avird paarweise Vereinigung oder gruppeiiAveise Anordnung mit kurzen Abständen hervorgehoben. Die Infiltrate zeigen ausgesprochene Tendenz zu Gürtelform und präsen- tieren sich als in die DarniAvand hineingelegte „Platten‘‘ oder „beet- artige Erhabenheiten“ mit meist zentralem Zerfall. Der makroskopische Aspekt stimmt ganz mit dem beim Magen geschilderten überein: der Geschwürsgrund speckig, verschieden tief reichend, der Rand meist derb, kallös, scharf und etwas aufgeAvorfen, seltener unterminiert. Rieder und E. Fränkel legen GeAvicht auf die Gleichmäßigkeit des Charakters aller Ulzerationen; doch können Avir sehen, daß bei demselben Falle Herde in verschiedensten Stadien der EntAvicklung zu finden sind. Chiari z. B. zählte im Bereiche des Dünndarmes 19 plattenförmige Infiltrate, 7 bereits vollständig von den Schorfen gereinigte Geschwüre, von denen eines schon ziemlich Aveit in der Vernarbung vorgeschritten Avar, und 2 strahlige Narben. — Die Serosa ist an Stelle der Ge- schAvüre oft intakt, zuweilen mit zottigen Fasern, bei anderen Fällen mit Pseudomembranen oder kleinen Knötchen bedeckt, injiziert und A'on ei’Aveiterten Lymphgefäßen durchzogen. Die Wandung des Darmes meist in toto verdickt. Ein Zusammenhang der Ulzerationen mit den Peyersehen Plaques ist bei verschiedenen Fällen notiert, den Lieb- lingssitz aber Avie bei der Tuberculose bilden sie nicht. Ein relativ häufiges Ereignis ist bei der großen Neigung zum Zerfall der luetischen Neubildung die GeschAvürsperforation. Nach Oberndorfer kämen auf 35 Fälle 7 Durchbrüche. Die Per- foration kann in die freie Bauchhöhle stattfinden und zu diffuser Peri- tonitis führen; auf diese Weise sah Riedel den Tod erfolgen, nach- dem ein oberflächlich durch Netz verklebt geAvesenes GeschAvür durch- gebrochen Avar. Bei dem nämlichen Fall hatte sich — derselbe Vorgang wie Avir bei der Tuberculose ihn abgebildet haben — eine Entero- anastomOse zAvischen zAvei verAvachsenen Darmschlingen gebildet. Letale Perforation beobachtete auch Björnström: In der Mitte des Geschwürs nach dem Mesenterialansatze zu zeigte sich eine querovale kraterförmige Vertiefung, Avelche alle Häute durchsetzte und in eine hanfkorngroße runde Höhle in der Serosa führte. Bei anderen Fällen kommt es um die Löcher herum zu Verklebung, Abkapselung, Kot- abszeß. Riedel beobachtete dies zAveimal; einer der Kranken, bei dem der Darm an drei Stellen durchbrochen Avar, starb. Aehnliches sahen Scheib und Oestreich. Die syphilitische Darmstriktur. Für den Chirurgen von ganz besonderem Interesse ist die durch den sy})hilitischen Prozeß erzeugte Stenosenbildung des Darmes. Wir begegnen ihr Avie bei der hereditären Lues — ich erinnere an die Fälle von Eberth und Oser — auch hier schon im Stadium der o-ummösen Ulzeration. So zeigte sich ])ei dem Falle Rieders der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011218_0382.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


