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Credit: Geschichte der Medicin. Source: Wellcome Collection.
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![verfälscht. Zwei am Schluss des vierten Jahrhunderts v. Chr. lebende Aerzte aber brachten die alexandrinische Schule durch ihre selbständigen Lehren zu hohem Ansehen. Herophiius. Herophilus, Schüler des Praxagoras und dadurch der dogmatischen Schule, zeichnete sich durch anatomische Untersuchungen an mensch- lichen Leichen aus, förderte die Anatomie des Auges, des Gehirns, entdekte die Nebenhoden, die Lungenarterie, benannte den Zwölffinger- darm. Auch hat er noch in zwei Beziehungen eine hohe Bedeutung. Er ist nämlich der Gründer der Pulslehre {tteqI rd^scog, dza^Cag 6[ioioTi]T6g re xul avoofiakCag), während vor ihm der Arterienpuls gar nicht oder kaum beachtet worden war. Zweitens hat er der medicamentösen Therapie wesentlich Vorschub gethan. Er glaubte, alle Krankheiten werden durch bestimmte Arzneimittel geheilt und wo man eine Krankheit nicht heilen könne, sei nur das rechte Kraut nicht gefunden: es ist diess der Anfang der Lehre von der specifischen Wirkung der Medicamente. Herophiieer. Seine Schule kam erst nach seinem Tode zu Ansehen. Jedoch nur Eudemus (290) zeichnete sich als Anatom aus. Dann gab die Schule die anatomische Richtung ganz auf, war sehr doctrinenreich und wendete sich mit Vorliebe derPharmacologie zu, welche durch sie zu einer grossen Entwiklung gelangte und wobei bereits zahlreiche und verwikelte Com- posita in Gebrauch kamen; ausserdem commentirte und critisirte man den Hippocrates. Später (gegen den Anfang unserer Zeitrechnung) siedelte die Schule nach Laodikea über und verlor sich in der Neronischen Zeit. Erasistratus. Noch grössere Berühmtheit erlangte der andere Zeitgenosse: Erasi- stratus aus Chrysipp's und Aristoteles' Schule. Auch er machte zahlreiche Sectionen an menschlichen Leichnamen, denen selbst der König und Hof assistirt haben soll; auch Vivisectionen an Verbrechern sollen ihm gestattet worden sein. Dadurch förderte er nicht nur seine anatomischen An- schauungen überhaupt, verbesserte die Kenntnisse vom Gehirn, Herzen, entdekte die Milchgefässe des Gekröses, sondern er machte sogar schon einen Anfang von pathologischer Anatomie. Das Vorurtheil, dass die Arterien lufthaltig seien, war die Grundlage seiner Pathologie. Er wollte nichts von den Säften der Dogmatiker wissen, sondern die Krankheiten entstanden für ihn nur aus einem Missverhältniss von Blut und Pneuma oder von einer Verirrung derselben an unrechte Orte {naQs/nntcoaig, error loci). Als die wichtigste Krankheitsursache bezeichnete er die Plethora (tQocfifjg nXfjO-og), durch welche die verschiedensten Krankheitszustäude erregt werden. Beim Fieber dringt nach ihm das Blut in die Arterien; bei der Entzündung, der gemeinsten Krankheitsform, ist eine heftige Auf-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20998296_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)