Morbus Hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie : zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Tiberius von Gyory.
- Tibor Györy
- Date:
- 1901
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Credit: Morbus Hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie : zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Tiberius von Gyory. Source: Wellcome Collection.
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![— 102 Da sie das Wesen der Krankheit in dem schmierigen Belag der Zunge zu sehen glaubten, trachteten sie denselben mit Brodkrumme, gestossener Krebsschale, dem Safte von Pferdekot, mit Instrumenten u. s. w. abzukratzen i). „Ganz als ob sie den Schatten mit Kreide weiss- machen hätten wollen sagt Langius. Die Kranken der Epidemie von 1566 wurden nach Jordanus im Gegensatze zum Verfahren der „Medici rationales folgendermassen behandelt: ,,Als Antidot benützte man das Eiweis eines Eies zu Schnee abg^etrieben: hierzu gab man eine halbe oder ganze Drachme fein geriebenen Safran und zwei Unzen heissen Wassers oder Wein und trank das ganze schnell aus. — Dann pflegte man mit derselben Mixtur den Mund zu waschen oder mit einem reinen Tuche die Zunge, den Gaumen und das Zahnfleisch bis zur Verwendung zu reiben: dadurch glaubte man dem Kranken zu helfen, ohne dass man ihm eine bestimmte Diät vorschrieb. — Wenn man dieses des Morgens und des Abends that, so war es wohl ein drittes Mal kaum notwendig. — Hierzu kam ein drittes, neues Mittel, vielleicht nur deshalb mehr verbreitet, weil es von einem vornehmen Autor her- stammte. Dasselbe enthielt den Saft von Blättern sedi majoris vul- garis (non arborescentis apud Italos noti), w;ozu man einen Skrupel salis ammoniaci tusi vel aliquantulum caphurae mit einem Schoppen reinen Quellwassers gab. Dieses Getränk wurde kalt verabreicht, auch mischte man etwas Pulver Iridis Illyricae bei. Dieses Getränk war beliebt, weil man es kalt und nach Belieben trinken konnte. — Die Ungarn nahmen nach der Sitte ihres Volkes frisch aufgegrabene radicis Leustici, wuschen dieselbe ab und verrieben sie abgeschabt mit frischem Schweinefett zu einer Salbe, mit welcher sie das abge- schorene Haupt einrieben. Hierauf nahmen sie ein grosses Tuch, welches sie in heissen Wein tauchten und hüllten damit den ganzen Körper ein, wodurch gewaltsam und unter heftigen Schmerzen ein Schweiss hervorgerufen wurde. — Ueberdies tauchten sie die Hände und P'üsse in Essig, ohne sich irgend wie anderweitig zu schützen. Die Medici rationales haben in Anbetracht des Kontagiums, welches aus einem in den andern Körper übergeht nach voraus- geschickten Eccoproticis, welche zur Reinigung der ersten Wege i) ,,Qui [chirurgi] cum causam morbi et necis in fusco linguae colore subsistere arbitrentur, quam (Deus alme) foeda excognitant remedia, quibus linguam expoliant {Langius 24) und: „Et quum neglecta febre, eius symptomata, linguae nigredinem curare Student, nil plus elficiunt, quam qui Aethiopem aut corporis umbram creta dealbare satagit. (Ibid. 1042.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21173503_0174.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)