Ueber die Einwirkungen unserer Wundmittel auf den menschlichen Organismus und über ihre Leistungsfähigkeit : (aus dem Laboratorium der Dr. Lassar'schen Klinik in Berlin) / von Dr. Emil Senger in Crefeld.
- Senger, Emil
- Date:
- [between 1890 and 1899?]
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Credit: Ueber die Einwirkungen unserer Wundmittel auf den menschlichen Organismus und über ihre Leistungsfähigkeit : (aus dem Laboratorium der Dr. Lassar'schen Klinik in Berlin) / von Dr. Emil Senger in Crefeld. Source: Wellcome Collection.
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![Niere erst nach einer Stunde untersucht, oder wenn man sie färbt. Bei der Färbung kann man aber auch die Beobachtung machen, dass die Rinde sich nicht so gut färbt, wie die Marksubstanz. Diese Thatsachen wurden natürlich bei jeder Untersuchung der übrigen Nieren, da es sich um feine Veränderungen handelt, berücksichtigt; es wurde niemals die Essigsäure bei frischen Unter¬ suchungen vergessen. Das Kaninchen blieb gesund. — Am 28. 4., also nach fast 2 Monaten, wird dem Thiere die Hälfte der Minimaltodesdose sub- cutan injicirt, nämlich 2]/2 Spritzen lprom. Sublimatlösung, also 0,025 Grm.; wir haben oben gesehen, dass Kaninchen mitunter noch nicht nach 0,04 Grm. starben. — 29. 4. Urin aus dem Blechkasten innerhalb 20 Stunden etwa 10 Grm. aufgefangen, filtrirt erscheint er blutig gefärbt, deutliche Eiweiss¬ trübung, viel kohlensaure Salze im Harn, etwa */4 des Volums Eiweiss, Ka¬ ninchen traurig, ohne Fresslust. Der Urin wird mit Essigsäure angesäuert und mit concentrirter Kochsalzlösung versetzt gekocht, erkalten gelassen und filtrirt, um das Eiweiss zu beseitigen. Die Zuckerprobe wird mit der Ny¬ lande r’schen Natronlauge-Kupfersulfatprobe angestellt. Auf die erstere er¬ folgte keine Schwarzfärbung, auf die zweite eine nichts positiv beweisende bräunliche Färbung. Zucker ist also jedenfalls nicht sicher darin enthalten. — 30. 4. Kein Tropfen Urin im Blechkasten. Aus der Blase werden einige Tropfen ausgedrückt; Mattigkeit, leichter Durchfall. — 1.5. Kein Tropfen Urin im Blechkasten. — 2. 5.* Kaninchen wird am Morgen um 11 Uhr todt gefunden. Neben den degenerativen Veränderungen des Herzens, der Leber, fand sich in der Milz eine starke Verfettung der Malpighi’schen Körperchen, ferner zerfallene und fein granulirte Zellen. In den Zellen ist ausserdem braunes Pigment zahlreich enthalten. Die Nieren zeigten sehr bedeutende kleinkörnige und grossschollige Degenerationen der Rinde, daneben Verfettung der Epithelien. Wir haben oben beim Sublimat die Befunde von Jo 11 er und Heineke erwähnt, wonach das Sublimat, ins Blut aufgenommen, dort durch Zerstörung der weissen resp. rothen Blutkörperchen ein Fibrinferment und Thrombosen während des Lebens bildet, dann aber auch die Grundlage für die anatomischen Störungen abgiebt, wie wir sie geschildert haben. Nun kann man diese Einwirkung auf das Blut nicht allein von dem Sublimat behaupten, sondern von allen sogenannten Antisepticis, oder wie wir sagen, Antimycoticis; denn wie Silbermann mit Hülfe der sinnreichen Heidenhain’schen Methode zur Darstellung der Capillärver- stopfungen nachgewiesen hat1), so treten dieselben Wirkungen im 0 Centralblatt für die med. Wissenschaften. 1888. No. 16 und. Deutsche med. Wochenschrift. 1888. No. 25. — Die Methode beruht darauf, dass, wenn man intravenös eine Farbstofflösung, z. B. Indigocarmin, injicirt, die ver¬ stopften Bezirke den Farbstoff nicht aufnehmen können, also ungefärbt bleiben müssen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30799090_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


