Grundriss der Lungenchirurgie / von C. Garrè und H. Quincke ; mit 30 zum Teil farbigen Abbildungen im Text.
- Carl Garré
- Date:
- 1903
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Credit: Grundriss der Lungenchirurgie / von C. Garrè und H. Quincke ; mit 30 zum Teil farbigen Abbildungen im Text. Source: Wellcome Collection.
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![Pleuraraum ausgetreten ist. Die Zwerchfellwunde muß aufgesucht und durch die Naht verschlossen werden. Bisweilen genügt eine tief ange- legte lange Interkostalincision (Schlatter) - - andernfalls muß man sich durch einen zurückzuschlagenden Weichteilknochenlappen weiteren Zugang verschaffen (Postempski). Lungen- und Pleuraverletzungen sind ferner nicht selten mit Herzverletzungen kompliziert. Selbstverständlich steht dann die Herzwunde im Vordergrund und die Lungenverletzung wird zur Neben- sache. Die penetrierenden Lungenverletzungen können durch schneidende oder stechende Instrumente aller Art, sowie durch Schüsse zustande kommen. Durchsetzt der Stich oder Schuß die ganze Lunge samt der gegenüberliegenden Thoraxwand, so spricht man von einer per- forierenden Lungenverletzung. Projektile, namentlich Revolverkugeln, können auch in der entgegengesetzten Thoraxwand unter der Haut liegen bleiben und dort leicht entfernt werden. Die eindringende Kugel kann Knochensplitter und Tuchfetzen mit sich reißen. Der die Verletzung begleitende Shock ist verschieden, in manchen Fällen fehlt er vollkommen, in anderen wiederum führt er zum schnellen Tode. Die Schußverletzungen geben im ganzen eine bessere Prognose, als die Stichverletzungen. Lungenschüsse zählenmitzu den häufigsten Verletzungen im Kriege; die penetrierenden Stichwunden treten dagegen sehr zurück. So kamen im Deutsch-französischen Kriege 2156 penetrierende Brust- schußwunden neben nur 11 penetrierenden Stichwunden in Behand- lung. Die Mortalität betrug 53,4%- Mit der Einführung der klein- kalibrigen Mantelgeschosse hat sich, wie die Erfahrungen moderner Kriegschirurgen ergeben, die Prognose der Lungenschüsse ganz wesent- lich verbessert. Küttner1), dessen Ausführungen ich hier folge, sagt, daß Lungen- schüsse nur dann den Tod auf dem Schlachtfelde zur Folge haben, wenn das Geschoß große Gefäße trifft oder wenn ausgedehnte Zer- störungen des Lungengewebes durch Aufschläger und dislocierte Knochensplitter zu stände kommen, vielleicht auch bei Schüssen durch die großen Bronchien. Ungefähr V4 aller Fälle von penetrierender Lungenverletzung stirbt sofort im Shock oder an Blutung. Ein relativ kleiner Teil erliegt später den Folgen einer Infektion. Die Mantelgeschosse ergeben enge glattwandige Schußkanäle, wenn kein Knochen mitgetroffen ist. Viele Verwundete fallen nicht, sie können sich sogar noch lange am Gefecht beteiligen oder Wege ]) Küttner, Beitr. z. klin. Chir., 1900, Bd. XXVII; vergl. auch Senn, Journ. of the americ. med. Assoc, Juli 1898; Mac Cormac, Lancet 1900.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21173825_0115.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)