Lehrbuch der gesammten Psychotherapie : mit einer einleitenden Darstellung der Hauptthatsachen der medicinischen Psychologie / von L. Löwenfeld.
- Leopold Löwenfeld
- Date:
- 1897
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Credit: Lehrbuch der gesammten Psychotherapie : mit einer einleitenden Darstellung der Hauptthatsachen der medicinischen Psychologie / von L. Löwenfeld. Source: Wellcome Collection.
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![profanen Psycho- (resp. Suggestiv-)therapie gegenüber mehr und mehr zurück, ohne jedoch zu verschwinden. Thatsächlich hat sich ja auch und zwar in allen Ländern die religiöse Psychotherapie neben der profanen bis zum heutigen Tage erhalten. Zu der larvirten und unabsichtlichen Suggestivtherapie gesellte sich jedoch mit der Erkenntniss, dass seelische Zustände für die Entstehung und Beseitigung von Krankheiten von Eintluss sind, allmählich eine weitere Form psychischer Therapie, die man als psychische Allgemeinbehandlung bezeichnen kann: Beseitigung von Schädlich- keiten, welche auf die Psyche und dadurch auf den Körper un- günstig einwirken, Herbeiführung eines der Genesung förderlichen Geniüthszustandes, Zerstreuungen. Diese Form psychischer Therapie wurde schon von hervor- ragenden Aerzten des griechisch-römischen Alterthums geübt, wie aus einer Reihe von Andeutungen in ihren Schriften hervorgeht. Hippokrates, Aretaeus und Galenus erklären die Freude als ein die Genesung in vielen Fällen förderliches Mittel. Erasistratus erkannte aus dem Pulse die psychische Natur des Leidens des kranken Königssohnes Antiochus und empfahl seinem Vater das richtige psychische Mittel gegen dasselbe, die Abtretung seiner Gattin Stratonike an den unglücklich liebenden Sohn. Asklepiades verordnete bei melancholischen Zuständen heitere phrygische Melo- dien, bei maniakalischen ernste dorische und lydische Weisen. Aretaeus bei der religiösen Form der Melancholie neben dem Flötenspiele andere Zerstreuungen und ermunterndes Zusprechen. Zu gleicher Zeit mit der religiösen verlor die magische Psycho- therapie, die in Form von Beschwörungen, Zauberformeln und Wundermitteln Anwendung fand, erheblich an Ansehen; wenn auch hervorragende Aerzte wie Galenus derselben durchaus nicht ent- rathen wollten und deren ausgezeichnete Dienste in einzelnen Fällen rühmten, so erachtete doch der grosse römische Jurist Ulpian diese Heilpraktiken wenn nicht geradezu für Schwindel, doch als nicht in das Gebiet der Medizin gehörig1). 3. Periode. Langsam, doch entschieden machte auch im Mittelalter die rationelle profane Psychotherapie Fortschritte. * ]) Vergl. die Schrift meines Bruders, Dr. jur. Th. Löwenfeld: Tnästi- mabilität und lJonorirung der artes liberales nach römischem Recht. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21015491_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


