Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Henry Maudsley
- Date:
- 1870
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Credit: Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![X Ich habe so ausführlich Uber das Rückenmark gehandelt, weil das Meiste von dem, was über seine Funktionen gesagt wurde, mit alleini«:er Abänderun2; der Namens auch für die ül)rigen ner- vösen Centraiorgane gilt. Eine genaue Vorstellung von der Art und Weise der Entwicklunü' der Funktionen des Rückenmarks ist die beste und zugleich die einzig passende Vorbereitung für das Studium der Gchirnthätigkeit, sie ist unumgänglich nothwendig zu einem richtigen Verständniss der höheren ^■italen Erscheinungen des Nervensystems und die alleinige feste Basis zum Aufbau einer wahren Seelenkunde*) Auf diesem Wege wenden wir die von ein- facheren Fällen gewonnenen Gesetze verallgemeinert auf compli- cirtere Verhältnisse au. Ein System , das diese Grundlage nicht besitzt, folgt nicht dem Entwicklungsplane der Natur und muss vergänglich und unsicher sein. Die Natur selbst protestirt hie- gegen mit energischer Beredsamkeit, indem sie zuweilen eine krankhafte Aktion der Ganglien der Hemisphären vicariirend für eine krankhafte Thätigkeit der Rückenmarkszellen eintreten lässt. Anmerkungen. (1) (pag. 65.) Pflüger vergleicht die Bewegungen eines dekapitirten Thie- res mit denen eines schlafenden Menschen und ghiubt, dass man es in beiden Fällen mit bewussten Bewegungen zu thun habe. Er kitzelte einen schlafenden Knaben im rechten Nasenloch, worauf dieser die gekitzelte Stelle mit der rechten Hand rieb. Kitzelte Pfüger das linke Nasenloch, so gebrauchte der Knabe die linke Hand. Hielt er die rechte Hand des Schlafenden fest, ohne ihn aufzuwecken und kitzelte dann das rechte Nasenloch, so machte der Knabe zuerst Versuche mit der rechten Hand, doch wenn er damit nichts ausrichten konnte und der Keiz fortdauerte, nahm er die linke Hand. Behufs einer genaueren Erörterung über das fragliche Bewusstsein des Rücken- marks muss ich auf meine Ucbersicht über Mr. B ai rrs Arbeit „The Senses and the In- tellecf' im „Journal of Mental Science'-', Januar ISii;'). pg. ö58—559, verweisen. Hier möge nur noch eine von Mr. Saisset übersetzte Bemerkung Spinozza's Platz finden: „Personne en efiet, nV determine encore ce dont le corps est capable, en d'autres termcs p(!rsonne n^'a encore appris de ]''experience ce que le corps peut faire et ce qu''il ne peut pas faire, par les seules lois de la naturc corporelle et Sans recevoir de Panie aucunc determination.'' Dies ist nicht zu wundern, fügt er hinzu, da bisher Niemand die Kr.rper-Funktionen hinreicliend untersucht hat, und führt als Beispiele die wunderbaren Handlungen von Thiercn und Sonambulen an, — „toutes choses, qni montrent a,«scz que le corps luimain, par les seules lois de la nature est capable d'ime foule d'operationa qui sont pour Tarne jointe a ce corps un objet d'etonncment S'ajoute enlin que la mccanisme du corps humain est fait avec un art qui surpassc inlinemcnt Pindustrie humaine. — Die Association vieler Bewegungen, z. B. der Bewegungen dos Herzens, des Auges oder der Athem- bewegungen beruht ganz und gar auf dem Bau der nervösen Centra; die Weisheit *) In dem Archiv für physiologische Heilkunde 1843, befindet sich ein ausge- zeichneter Aufsatz von Prof. Griesinger über psychische Reflexaktionen mit einem Blick auf das Wesen der phychischen Krankheiten, und ein zweiter in demselben Journal von 1348. „Neue Beiträge zur Physiologie und Pathologie des Gehirns.'-'](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21292498_0105.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


