Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Henry Maudsley
- Date:
- 1870
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Credit: Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![Capitel V. Die Granglien der Hemisphären; die Granglienzellen der Rindensubstanz der Hemisphären; die Nervencentra für die Vorstellungsthätigkeit;die primären Nervencen- tren, Jntellectorium commune. Alle jene Forseher, die durch ein gründliches Studium der Physiologie des Gehirns zu einem Urtheil über diesen Gegenstand berechtigt sind, stimmen darin überein, dass man die in den grauen Rindenschichten der Hemis])hären angehäuften zahllosen Ganglienzellen als die Nervencentren für die Vorstellungsthätig- keit zu betrachten habe. Die Grosshirn-Heniisphären stellen in der That zwei grosse Ganglien dar, die oberhalb der Sinnes-Cen- tra gelegen, dem Menschen und den höheren Thieren zur weitern Verarbeitung der Eindrücke und Sinnesempfindungen in Ideen oder Vorstellungen gegeben sind. Dieser bedeutende Fortschritt in der Entwicklung der menschlichen Seele besteht in der Ab- straktion des Essentiellen vom Besonderen und in der VS'^ieder- verkörperung desselben in einer Vorstellung. Er stellt streng ge- nommen eine Idealisirung der Sinnes-Eindrücke und damit, so zu sagen, die epigenetische Entwicklung der Natur dar ; denn was der wahre Künstler in seiner Kunst vollbringt, das tliut die Natur fortwährend in der Entwicklung der menschlichen Seele. Be- trachten wir den Menschen nicht als individuellen Menschen, dessen Zweck seine Werke sind, sondern als einen kleinen unter- geordneten Theil des grossen harmonischen Ganzen, als das Mittel zu einem weit entfernten Zweck, so wird es uns klar, dass seine Geschichte die Geschichte der Natur in ihrer höchsten Entwick- ^) Ideational Nervous ceiitres. „Wir haben kein Wort, das den ganzen Complex alP der verschiedenen Phaenomene , die wir mit dem Namen „Vorstelhin-?»' (Idea) bezeichnen, als ein Ganzes ausdrückt. Wie wir von „Sensation^ .sprechen, könnten wir auch von „Ideation'' sprechen, und der Einführung dieser nützlichen Bezeichnung stünde nichts im Wege, als die pedantische Gewohnheit mit der man neue Ausdrücke zu tadeln pflegt. James Hill Analysis of'the](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21292498_0129.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


