Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Henry Maudsley
- Date:
- 1870
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Credit: Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![schaftswüvter, dann der letzteren in Adjeet. propria und abstracta. Die Synonyma verscliwinden wieder, indem jedes seine eigene Bedeutung bekommt, und überflüssige Wörter werden dazu ver- wendet, neue Entwicklungen und Combinationen von Gedanken zu bezeichnen. Wie war es nun möglich, dass eine so einseitige Methode, welcher die Naturforschung vollständig fremd war, mehr leisten sollte, als immer und immer dasselbe Wiederholen in Worten, welche, wenn sie auch verschieden lauten mochten, doch dess- halb nicht weniger unbestimmt waren? Die Resultate waren der Ungereimtheit der Methode entsprechend; denn nach mehr als zweitausendjährigem Bestehen wurde nichts durch sie erreicht, so dass nicht nur „Behauptungen eben Behauptungen , sondern auch Fragen Fragen geblieben sind, die durch den vielen Streit nicht nur nicht gelöst, sondern nur noch mehr befestigt und genährt worden sind (0. Hätte der Mensch immer die sonnigen Klimate des Südens bewohnt, wo die Fülle der Natur ihm ein sorgloses Leben gestat- tete, so hätte er vielleicht seine eiteln S])eculationen fortgesetzt. Da er aber der Natur im rauhen Norden ins Angesicht schauen innsste und gezwungen war, durch angestrengte Arbeit sich die IVIittel zu seiner Existenz aus ihrem dürren Schoosse zu erzwin- gen, da erwuchs ihm die Nothwendigkeit, ihre Vorgänge zu be- obachten und ihren geheimen Wegen nachzuspüren. Das war ein unabweisbares Eindringen des Geistes in die Realität der Natur, und diese Praxis, welche sich die Bedürl'nisse des Lebens zuerst erzwang, wurde in der Fülle der Zeiten für die, welche Zeit und Gelegenheit fanden, die Richtschnur, nach welcher sie in bewuss- ter Absicht die Natur erforschten und deuteten. In Roger Bacon sehen wir den menschlichen Geist gleich- sam unbewusst nach der wahren Methode seiner Entwicklung ringen, während wir an dem Kanzler Bacon, welcher die Prin- cipien der induktiven Philosophie in ein System brachte und ihre Regeln aufstellte, beobachten, wie er das mit Absicht und Methode ausführt, was vorher blos blindlings angestrebt wurde. Aber, wie es mit dem Kinde ist, so war es mit der Menschheit. Das Han- deln ging dem bewussten Denken voraus, und Bacon selbst war nur ein Ausfluss des herrschenden Geistes und nichtSch()pfer des- selben. So hat der Mensch, indem er gehorchen lernte, sich zum Herrn der Natur aufgeschwungen und jene reichlichen „fruits and invented works, welche Bacon zuversichtlich als Pfän- der und Bürgen für die Richtigkeit seiner Methode anticipirte, sind im reichsten Masse geerntet worden. Es erscheint uns seltsam genug, dass die Menschen nicht früher auf die ausgezeichnete, nutzbringende Methode der Induk- tion gekommen sein sollen. Wie kam es, dass sie beim Studium der organischen Natur, dem vorzüglich Aristoteles oblag, den Fortschritt in der Entwicklung vom Allgemeinen und Einfachen zum Besonderen und Zusammengesetzten nicht bemerkten, der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21292498_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)