Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Henry Maudsley
- Date:
- 1870
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Credit: Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![gut, dass er enthusiastisch seine Arbeit vergöttert, und Niemand wird die Sache in ihrem ganzen Umfange würdigen, der nicht den Werth auch der kleinsten Leistung für den socialen Organis- mus anerkennt, und einsieht, wie anspornend der P]itelkeitsstachel für die Thätigkeit ist. Es ist amüsant, doch zugleich traurig, die schmerzliche üeberraschung des Forschers, seine eifersüchtige In- dignation, seine Schmerzensrufe zu beobachten , wenn das grosse Endresultat, an dem er und seine Arbeitsgenossen so lange ge- duldig, wenn auch blindlings gearbeitet haben, wenn das Genie des Jahrhunderts, das er selbst mit erschaflen half, plötzlich auf- taucht und den grossen allgemeinen Umschwung mit einem Male in's Werk setzt; amüsant, weil der geduldige Arbeiter den Erfolg, den er mit vorbereitete, nicht voraussah, traurig, weil er persön- lich vernichtet ist, und air die Mühe, auf die er seine Kraft ver- wendete, hinweggeschwemmt wird von dem Gesammtprodukt, das alle die verschiedenen Data der Forschung und alle Gedanken in sich vereinigt, und indem es für diese eine einheitliche Entvvick- wicklung nachweist, sich durch die einfache Epigenese ergibt. Wir begreifen daher, dass grosse Genies nur in grossen Zwischenräumen auftreten können, wie auch ein Baum nur blühen kann zur rechten Jahreszeit. Aber warum sollte Einer, gross oder kl^in, darüber aufgebracht und erzürnt sein, dass er wahr- scheinlich bald der Vergessenheit anheimfallt? Das Genie selbst ist bei Air dem als Individuum selbst nur von geringer Bedeutung. Es ist nur durch die Wehen des kreisenden Jahrhunderts geboren; nur in sofern , dass es ein wahres Kind seiner Zeit ist und die- selbe gehörig repräsentirt, ist es von Werth. Je individueller es auftritt, desto vorübergehender wird sein Ruhm sein. Wenn es unsterblich geworden ist, so ist es ein Namen , der eine Epoche bezeichnet und nicht länger mehr ein Individuum. Wer immer in einem närrischen Stolz auf Originalität nach Neuem strebt und die zerstreuten, vielleicht verborgenen Arbeiten seiner Vorgänger verachtet, wer übermässig besorgt um seinen Ruf seine eigene Bildung nicht vorwärts bringen kann mit einer heiteren Indiffe- renz o-egen Vernachlässigung und Tadel, sondern kindische An- forderungen auf Anerkennung vor der Welt macht, mag über- zeuot sein, dass er kein wahres Kind seiner Zeit, sondern mehr eine Fehl- oder Missgeburt derselben ist. Je grösser er als Mon- strosität ist, desto origineller muss er sein. *) r a Die Entwicklung des Seelenlebens, sowohl des Individuums, als eines ganzen Stammes müssen wir als die Vollendung der or- o-anischen Entfaltung der Natur betrachten und anerkennen, dass eine innige Harmonie zwischen Mensch und Natur die günstigste „Was ist alle Geschichte anders,^' sagt Ettierson, „als das Werk von Ideen als ein Zeichen jener unbestreitbaren Energie, die dem Menschen sein end- loses Streben eingibt? Ist irgend etwas Grosses, Dauerndes je yollbracht worden? Wer hat es vollbracht? Sicherlich nicht Einer, sondern alle Menschen. Es war das Uebergewicht, das Ueberströmen einer Idee. —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21292498_0052.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)