Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Henry Maudsley
- Date:
- 1870
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Credit: Die Physiologie und Pathologie der Seele / von Henry Maudsley ; nach des Originals zweiter Auflage Deutsch bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![beide bestehen aus einer umhüllenden Membran und einem weichen, halbtlüssiL>en Inhalt, in welchem sieh ein zartes Bläsehen mit einem soliden Körperchen oder Fleck befindet. Niemand ist im Stande, ein menschliches Ei in den ersten Stadien von dem eines Qua- drupeden zu unterscheiden , und bis zum nornuilen Ende seiner Entwicklung- hat es die gleichen Stadien zu durchgehen, wie jeder andere Wirbelthierembryo. Was nun aber für die Entwicklung des ganzen Körpers gilt, gilt auch für die des Gehirns. Das fötale menschliche Hirn besteht in der sechsten Woche aus einer Reihe von Bläsehen, deren .vorderstes und zugleich ])aariges die Anlage des Grosshirns darstellt und das kleinste ist, während das hinterste, das das Kleinhirn rcjjräsentirt, unpaarig und das grösste ist. Vor letz- terem befindet sich das dieCuri)ora quadrigemina andeutende Bläs- chen, vor diesem wiederum das Bläschen, aus dem der 3. Ventrikel hervorgeht, welches auch die Thalami optici in sich fasst und im weiteren Fortschritt der Entwicklung wie die Corpora quadrige- mina von den nach rückwärts sich ausdehnenden, Anfanos vor ihnen gelegenen Hemisphären bedeckt wird. Auf dieser^Stufe gleicht das menschliche Hirn dem ausgebildeten, noch mehr aber dem fötalen Fischhirn in der geringen Entwicklung der Hemis- phären im Verhältniss zu den übrigen Hirntheilen, in der Abwesen- heit von Windungen und Commissuren, und überhaupt in der Ein- fachheit des ganzen Baues. Gegen die 12. Woche schon finden wir eine grosse Aehnlich- keit mit dem Vogelhirn. Die grossen Hemisphären haben an Grösse zugenommen und .sich nach rückwärts über die Thalami optici und die Corpora quadrigemina hin erstreckt. Doch fehlen die Windungen noch vollständig, und die Commissuren sind nur äusserst mangelhaft entwickelt. In dieser Zeit stellen die Hemisphären nur die Rudimente der Vorderlappen dar. Sie bedecken die Tha- lami optici noch nicht vollständig und erreichen noch nicht jene Entwicklungsstufe, welche für die Marsupiala die ständige ist. Während des 4. und zu Anfang des 5. Monats wachsen die mitt- leren Lappen mehr nach hinten und bedecken die Vierhügel, und endlich entfalten sich auch die Hinterlappcn, dehnen sich nach hinten aus, um die Hemisphären des Kleinhirns zu überdecken Auf die irrige Ansicht, dass die Hinterlappen für den Menschen charakteristisch seien, basirte Prof. Owen seine Aufstelluno- der „Archencephalen^S Doch ist es nun ganz sicher festgestellt dass auch die Arten Hinterlappen besitzen , und dass sie sich hier oft noch weiter nach hinten erstrecken, als beim Menschen Wir können es leicht beobachten, dass durch eine Entwickluno-shem- per als den Keimfleck und das Bläschen als das Keimbläschen betrachten, während der halbfluss.ge Sarcode-artiire Inhalt dem Dotter, und die umhüllende Membran der Dotterhaut analog ist. Ich möchte die Analogisirnng nicht zu weit treiben aber e, ist gewiss interessant, die genaue morphologische Uebereinstimmung zu beobachten welche zwischen der Form der niedersten Thiere und der Form besieht, mit der alle höheren Geschöpfe ihre Existenz beginnen.« Lect. on Comp Anat 1864 4*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21292498_0069.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


