Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos.
- Date:
- 1871
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Credit: Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos. Source: Wellcome Collection.
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![Erfolg zu Staude komme durch eine reflectorische Erregung von vSeiten des Trigeminus. Ich kann mich dieser Hypothese nicht anschliessen, weil sie mir durchaus nicht genügend begründet erscheint. Contractionen der äusseren Auoenmuskeln auf Reizuna: der Gesichtshaut sind meines Wissens unter physiologischen Ver- hältnissen nicht zu constatiren, man Avird sie desshalb mit Grund auch unter pathologischen Verhältnissen nicht erwarten dürfen, um so Aveniger als es sich dabei ja in der Regel um eine Unter- brechung der centrifugalen Leitungsbahnen handelt, Avelchc erst durch elektrische Behandlung beseitigt Avcrden sollen. Da man auf der andern Seite selbst bei der ungünstigen Ansatzweise der Pole, Avie sie Benedict Avählt, directe Stromschieifen zu den Muskeln und Nerven durchaus niclit vermeiden kann, so sehe ich nicht ein, Avarum man gerade bei den Augenmuskellähmungen den UmAveg des Reflexes für die Erklärung des Heilerfolgs Avählen soll. Ich kann die Neigung, den armen Trigeminus für alle denk- baren Reizungserscheinungen am Kopfe verantAvortlich zu machen, durchaus nicht tlieilen. Andererseits muss ich immerhin die Möglichkeit zugeben, dass auch auf diesem Wege ein günstiger Einfluss auf die gelähmten Augenmuskeln zu gCAvinnen ist. Ich Avähle desshalb die Stellung der Elektroden so, dass sie erfolg- ]'eich sein muss, mag die Wirkung auf directer Reizung oder auf Reflexreiz vom Trigeminus beruhen. Wenn Benedict räth, die Anode auf die Stirn zu setzen und mit der Ka auf der Haut *) Zu welchen Verirrungen diese Neigung bei manchen Autoren führen kann, lehrt eine neuerliche Publikation von Dr. Althaus in London. Dieser Be- obachter (Deutsch. Arch. f. klin. Med. VII. pag. 563) zieht aus einem Falle, in welchem bei vorhandener Trigeminusanästhesie die Gehirnerscheinungen beim Gal- vanisiren des Kopfes sehr unbedeutend waren, den Schluss, dass diese galvanischen Keizerscheinungen (Schwindel, Uebelkeit u. s. -vv.) ebenfalls auf physiologischem Wege, in der Bahn des Trigeminus zu Stande kommen. Dieser Schluss ist vollkommen unberechtigt in dem mitgetheilten Falle. Hat doch der Be- obachter selbst die einfachste Probe auf das Exempel hei zustellen vergessen, näm- lich den Nachweis, dass nach erfolgter Heilung der Anästhesie die Gehirner- scheinungen beim Galvanisiren in der gewöhnlichen Stärke vorhanden waren! Er hat ferner den Nachweis nicht geliefert, dass von den nicht anästhetischen Parthien hinter dem Ohre die Erzeugung der Gehirnerscheinungen mit der ge- wöhnlichen Leichtigkeit gelang. Seine Schlussfolgerung würde endlich nothwendig die Annahme in sich schliessen , dass auch die galvanischen Licht-, Geschmacks- und Geruchsemptindungen durch Vermittlung des Trigeminus zu Stande kommen, denn auch diese waren bei dem Kranken ungemein schwach entwickelt. — Und trotz dieser erstaunlichen Oberflächlichkeit der Beobachtung ist der Autor stolz darauf, mit seiner Krankengeschichte diese wichtige Frage endgiltig entschieden zu haben!](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2244984x_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


