Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos.
- Date:
- 1871
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Credit: Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos. Source: Wellcome Collection.
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![und in solchen Fällen muss man eine serüs-hämorrhagisclie Ex- südation in’s Labyrinth als die wahrscheinliche Ursache der Taub- heit annehmen. XXXV. Fall 26 Jahre alt, liatte Erysipel im dritten Jahre, Taubstumm seit jener Zeit. Der einzige Ton, welchen er vernimmt, ist der einer nalm vor’s Ohr gehaltenen Stimmgabel. Hat Ohrensausen blos auf der rechten Seite. Trommelfelle normal. XXXVI. Fall 28 Jahre alt, wurde in seinem einundzwanzig- sten Jahre plötzlich von einem pustulösen und ekzematösen Ausschlag be- fallen, welcher sich über den ganzen Kopf erstreckte und von Fieber und Delirien begleitet war. Beide Ohren waren geschwollen. Das Gehör nahm von dem vierten Tage an ab. Der Ausschlag verschwand am achten Tage sehr rasch nach der Einreibung einer rothen Salbe. Dar- nach war die Scliwerhörigkeit immer so, wie sie jetzt noch ist. Kno- chenleitung aufgehoben. Hörte nichts mit dem linken Ohre, aber mit dem rechten die Uhr schwach beim Anlegen an die Muschel, die Stimm- gabel ^12 vom Ohre und eine kleine SpTeldose auf 4. Keine Ab- normität bei der physikalischen Untersuchung beider Ohren. XXXVII. Fall 3 Jahre alt, hatte vor einem Jahre einen Ausschlag über den ganzen Kopf, welcher nach einer IVoche vollstän- dig geheilt war, aber das Kind taub machte. Sechs Wochen s])äter hatte es Hirnentzündung und blieb noch eine lange Zeit darnach schwach auf den Beinen. Hört blos laute Geräusche und laute Musik. Keine Abnormität bei physikalischer Untersuchung. Es ist mir nicht bekannt, dass Sectionen vorlicgen von Per- sonen, welche an Erysipel und acuten pustulösen oder ekzematö- sen, sich über den Kopf und die Ohren erstreckenden Ausschlä- gen taub geworden und Avährend der Krankheit g;estorben sind. Ich muss daher zu der Hypothese flüchten, dass die Entzündung sich auf’s Labyrinth ausgedehnt und durch den hohen intraauralen Druck bedeutende Herabsetzung oder Vernichtung der Functio- nen des Hörnerven hervorgebracht habe. Die folgende Beobachtung ist in meiner Piaxls allein da- stehend. XXXVIII. Fall 7 Jahre alt, hatte Meningitis, als sie ein Jahr alt war. Erbi'echcn ging eine Woche lang dem Ausbruch der Krankheit voraus. Während des Fiebers war sie bewusstlos und er- brach sich häufig. Nach der Genesung fühlte sie sich noch eine Zeit lang schwach, aber ihr Gehör speciell Avar gut und hatte auch Avährend der Krankheit nicht gelitten. Vier Monate später bekam sie eine grosse, weisse, harte AnscliAvel- lung unter beide Ohren und an dem ganzen vorderen Theile des Halses (Angina Ludwigii), aber nicht vor den Ohren. Sie hatte davon grosse Beschwerden beim Schlucken, Avclche selbst noch eine Zeit lang nach der Genesung vorhanden blieben. Während der Periode der Anschwel-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2244984x_0321.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


