Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos.
- Date:
- 1871
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Credit: Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. II. Bd. 1. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos. Source: Wellcome Collection.
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![31Ü ÖOv IvKAi’r, ontzürulliclie AiTcdiünen des iniicrn Ohres. “(Icti rasch nach einander, und die Gegenstände flimmerten. Diese Plio- topsien und Chromopsien dauerten jedesmal nur einige Minuten, kehrten aber während den nächsten 3 Tagen häufig wieder und traten dann nicht mehr auf. vSie hatte starke Schmerzen in den Augen, der Stirne und den Schläfen und ihr Gesicht wurde täglich schwächer. Sie wurde am 18. Januar in meine Klinik aufgenommen Die Erscheinungen syphi- litischer Angina und der papulöse Ausschlag über den ganzen Körpei- waren sehr ausgesprochen. Sie war abgemagert, von sclmuitzig blei- farbener Haut, hatte keinen Appetit, klagte sehr über Kopfweh, Schwin- del und Uebelkeit und schlief schlecht. Beide Augen waren roth und schmerzhaft, die Ilinterfläche beider Hornbäute punctirt, die vordere Kammer trübe, die liegenbogenhäute verfärbt und geschwollen, die Pu- pillen unregelmässig durch viele Adhäsionen des freien Irisrandes. Der Augengrund war nicht zu sehen, die Spannung beider Augäpfel unver- kennbar vermehrt Sie klagte mehr über quälende Geräusche in ihrem Kopfe als über irgend etwas Anderes. Sie konnte kaum Finger zählen und selbst die lautesten, in ihre Ohren gesprochenen Worte nicht hören. Sie hatte indessen Schallempfindung und ein vollständiges Seh- feld auf beiden Seiten. Die scheinbaren Bewegungen der sie umgeben- den Gegenstände dauerten fort. Sie v/aren am wenigsten ausgespro- chen, wenn sie auf dem Rücken lag, wesshalb , sie sich sehr ruhig in dieser Lage hielt. Ich verordnete ihi- ein Abführmittel, darauf Calomel 0,03 grm. mit Opium 0,01, drei ]\Ial täglich zu nehmen, und 4,0 grauer Salbe, drei Mal täglich in die Glieder einznreiben. Fünf Blutegel wurden am Abend an jede Schläfe gesetzt und die Nachblutung zwei Stunden lang unter- halten. Bei dieser Behandlung besserten sich ihre Augen sehr schnell. Die S})annung des Auga])fels wurde schon am folgenden Tage wieder normal, die Adhäsionen zerrissen alle, die episklerale Injection und die Trübung in den vorderen Kammern verschwanden allmälig und nach kurzer Zeit konnte man durch die Glaskörperti-übungen den Fundus sehen und Neuroretinitis auf beiden Augen diagnostiziren. Nirgends war ein Extravasat zu bemerken, auch waren keine exsudativen oder atro})hischen Herde in Retina und Choroides. Das Gesicht besserte sich ])roj)ortional, das Gehör aber machte sehr langsame Fortschritte. Nach vierwöchentlicher Behandlung waren die Allgemeinerscheinungen — Kopfweh, Haut- und Halsaffection — fast ganz verschwunden. Sie konnte auf sein, ohne zu fallen, taumelte aber beim Gehen, war zuweilen noch betäubt und klagte über die beständigen, obwohl weniger quälen- den Geräusche. Sie konnte laute Sprache verstehen, jedoch die Uhr nicht hören. Sie wurde von jetzt an ambulatorisch mit Jodkalium (2,0 täg- lich) behandelt und elektrisirt. Die Reaction auf den galvanischen Strom war folgende: Rechtes Ohr: —• Keine Reaction bis zu XXV El. und 1000 W. mit dieser Stärke: KaS, Klingen. KaD > 30 Secunden. KaO — AnS —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2244984x_0324.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


