Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![entsprechend dem ersten oder zweiten Backenzahn, war eine seichte, aber deutliche Anschwellung. Uebrigens Alles normal. Operation am 7. Juli 1858. Zuerst wurde durch alle Weichtheile bis auf den Knochen ein IV2 langer, sehr weuig krumm verlaufender Schnitt geführt, das Periost mit einer Rougine nach oben zurückgeschoben, bis der ganze Kieferwinkel in Form eines Dreiecks frei lag, dessen gleichschenklige Seiten V*, dessen Basis 1 betrug; hierauf Abtrennung der Sehne des M. pterygoideus mit einem feinen Skalpell und Zurückschiebung desselben, bis dass ein Spatel unter den freigelegten Knochentheil gelegt werden konnte, der dann mit dem Osteotom abgesägt ward. Ein kleines Gefäss spritzte und ward unter- bunden. Nachdem der M. pterygoideus noch etwas mehr zurückgeschoben und von der Mandibula noch einige kleine Stückchen mit der Liston'schen Knochenscheere abgekneipt waren, fühlte man deutlich den kleinen Knochen- vorsprung am Eingange des Kieferkanales und den Nerven, welcher mit einer Aneurysmanadel von Casamayor hervorgezogen, getrennt und ein Stück von 4' ausgeschnitten wurde. Das Stück im Kanal zerstörte Kühn noch durch Einführen der Nadel in den Kanal, wobei dessen vordere Wand durch- brach. Die Wunde ward mit Charpie ausgefüllt, eine feuchte Compresse und Watte darüber gelegt. Nach der V2 Stunde dauernden Operation Ge- fühl in Wange verschwunden, allein die nächstfolgenden 2mal 24 Stunden keine auffällige Besserung in den Schmerzen, doch sind dieselben so, dass Patientin nicht zu reiben braucht. Am 10. Juli Nachmittags fiengen die Schmerzen mit aller frühern Macht wieder an und hielten auch am 11. Juli an. Entfernung der Charpie. Massige Eiterung. Nacht vom 11/12. erste ruhige schmerzlose «Nacht; eben so die Nacht vom 12/13. Juli. Vom 13. nahmen die Schmerzen allmälig ab, so dass nur noch ein leises „Muckern vorhanden war. Am 26. Entlassung aus dem Spital mit noch nicht ganz vernarbter Wunde. Sechs Monate nach der Operation sind die Schmerzen ganz verschwunden und nicht wiedergekehrt. Wunde vollständig vernarbt. Das von Kühn befolgte Verfahren unterscheidet sich von dem oben im Texte beschriebenen Verfahren, welches sich mir nach Versuchen an der Leiche als zweckmässiger herausgestellt hat, da es nicht nur die Verletzung der Parotis vermeidet, sondern auch einen freieren directen Zugang zu dem Nerven vor seinem Eintritte in den Kieferkanal gestattet, hauptsächlich durch die Form des Knochenstückes, welches von dem Kiefer abgesägt wird. Nach Kühn soll durch einen gradlinigen Sägeschnitt „der ganze Unterkieferwinke] nach der Richtung des Kanals und gemäss seiner Ent- fernung vom äussern Kieferrande glatt weggesägt werden, wobei das ab- gesägte Knochenslück die Gestalt eines gleichschenkligen Dreieckes (stumpf- winklig mit abgerundetem Winkel) bekommt. Thut man dieses und legt deshalb, um einen recht freien Zugang zum Nerven zu bekommen, den Sägeschnitt nahe an den Kieferkanal hin, so wird dadurch ein ganz un- nöthig grosses Stück vom Kiefer entfernt, wie ein Blick auf die Schnittlinie a b in Figur 15 auf Tafel XV erkennen lässt, ein Dreieck mit einer Basis von 7 Cm. Länge, deren beide Enden einerseits bis zum Halse des Gelenk- kopfes, andererseits nach vorn bis unter die Gegend des vierten Backzahns sich erstrecken, fn dem Maasse nun aber, als man zur Beschränkung des Substaazverlustes des Knochens die Schnittlinie näher ao den Kiefeiwinkel](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0117.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)