Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![vor seinem Winkel mit einer kleinen Bogensäge getrennt. Die Elxstirpation des Nervenknotens, bei welcher die Kranke einen Anfall bekam, der den früheren ganz und gar glich, so wie die Aufsuchung und Unterbindung des verletzten Gefässes konnten jetzt ohne Schwierigkeit ausgeführt werden. Vereinigung der Wunde im Gesichte durch die umschlungene Naht bis auf eine Stelle in der Gegend des Unterkieferwinkels, die zum Abfluss der Wundsecrete offen gelassen ward. Am 24. December waren alle Wunden vernarbt, nur der Ligaturfaden der Carotis hatte sich noch nicht abgestosseu, was erst am 9. Januar, d. h. .am 35. Tage nach der Operation geschah. Von jetzt an war das Mädchen von ihrer Krankheit, da bisher keine Schmerz- anfälle wiedergekehrt waren, und von den Folgen der Operation für ge- nesen anzusehen [?]; sie klagte jedoch über Steifigkeit im Halse, so dass die Drehbewegungen des Kopfes vollkommen unmöglich waren, der Kopf etwas nach links geneigt war und beim Druck auf die obersten Theile des Halses nach hinten und links massiger Schmerz angegeben wurde. Bald darauf zeigte sich auch eine schwappende Geschwulst in der Gesgend des obern Dorns des rechten Darmbeins, die geöffnet wurde. Der Dorn war nekrotisch. Die schmerzhafte Stelle am Genick fleug gleichfalls an zu fluctuiren, und nach ihrer Eröffnung fand man eine ziemlich ausgebreitete Nekrose in der Gegend des ersten Halswirbels. Von nun an ward die Kranke mager, schwächer, verlor den Appetit, fieberte Abends. Dazu kam noch ein Abscess in der Gegend des rechten Schlüsselbeins, der nach seiner Er- öffnung brandig ward und aller angewandten Mittel ungeachtet eine rasch um sich greifende Zerstörung veranlasste, die nach abwärts zu der Brust- muskel und nach aufwärts bis zur Unterbindungsstelle der Carotis reichte, so dass hier die Haut, die Hautuiuskel, die Fasele, der M. omohyoideus und alles herumliegende Bindegewebe verloren giengen. Am 24. März starb sie. Die Section wies ausser den erwähnten Nekrosen am Darmbein und an der Wirbelsäule eine auf beide Lungen ausgesäete, ziemlich frische Tuberkulose nach; sodann ein unmittelbar auf der Pons Varoli der kranken Seite aufsitzendes, länglichrundes, oberflächlich durchsichtiges, perlmutter- artig glänzendes, haselnussgrosses Cholesteatom, welches den N. trigeminus dicht bei seinem Austritte aus dem Gehirne ringartig umfasste und ihn an der dem Gehirne nächsten Stelle auf den dritten Theil seines Umfanges einschnürend zusammendrückte. Der dünnere Theil der Aftermasse setzte sich bis zum Meatus auditorius internus und selbst noch 2' weit in diesen hinein fort und beschwerte somit den N. acusticus und facialis, ohne die- selben jedoch auf eine für das Auge auffallende Weise abzuplatten oder einzuschnüren. Bei der Untersuchung der Nervennarbe fand sich der N. maxillaris inferior mit der Narbe der Weichtheile an der Stelle, wo der Nervenknoten exstirpirt wurde, obne Anschwellung verbunden. Auch der unverletzte N. lingualis wurde gegen die Narbe hingezogen. Der hintere Stumpf des N. infraorbitalis war durch das an der vordem Mündung des Infraorbitalkanals gebildete Narbengewebe um 3—4' weiter nach vorn ge- zogen, so dass es den Anschein hatte, als ob dieser Nerv um so viel weiter nach vorn durchschnitten worden wäre. Der kleine N. dentalis anterior, den man an dem herausgenommenen Knochenstücke vergeblich gesucht hatte (s. oben pg. 75), war unverletzt geblieben, weil damals zu wenig Knochen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0124.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)