Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![n einigen Schnitten vom Oberkiefer mehr ab, durchschnitt parallel mit dem Zahnrande in einem Zuge das fortwährend so schmerzhaft gewesene Zahn- fleisch, schob es zurück, meisselte die Alveolen des linken Oberkiefer- knochens auf und zerstörte mit 8—10 Messerzügen die Nervi alveolares superiores [d. h. doch wohl nicht alle, sondern nur die N. alveolares superiores anteriores]. In die Knochenwunde wurde Charpie gebracht und die Kranke zu Bette gebracht, welche von der ganzen Operation gar Nichts gefühlt hatte, obwohl während der Durchschneidung des N. supraorbitalis eine heftige Zuckung sämmtlicher Gesichtsmuskeln eingetreten war. Die Kranke lobte ihren Zustand sehr und behauptete, seit zehn Jahren keine so gute Stunde gehabt zu haben. Durch längeres Sprechen, Kauen oder die Berührung der linken Unterlippe oder Unterkieferhälfte wurde jedoch noch ein Paroxysmus erzeugt, und zwar fühlte sie (nach dem Gesetze der Ex- centricität) den Schmerz an Stirn, Nase, Oberlippe etc. wie vorher, nur konnte die Berührving dieser Theile den Schmerz nicht mehr hervorrufen. Von Lähmung eines Muskels war Nichts zu sehen; auch die Empfindung an den betreffenden Theilen war nicht ganz aufgehoben, wenn auch sehr vermindert. Berührungen mit einer Nadel fühlte sie weniger als jene mit einer Fingerspitze. Der Tastzirkel zeigte zwischen der linken und rechten Gesichtshälfte grosse (welche? ist nicht gesagt) Untersciiiede. Der Speichel- fluss hatte sich ebenfalls nicht vermindert. Nach Ablauf von 14 Tagen, als die Wunden beinahe geheilt waren, ward zur Excision am N. alveolaris inferior und mentalis geschritten. Nussbaum machte zu diesem Ende einen IV2 langen und senkrechten Hautschnitt, dem letzten Backzahn entsprechend, durchschnitt den M. masseter in einer Länge von 1 Zoll, Hess ihn mit kleinen Hacken aus einander ziehen, entblösste den Unterkieferknochen in einer ungefähr groschengrossen Ausdehnung von seiner Beinhaut und er- ölfnete mit Hammer und scharf schneidendem Meissel den Unterkieferkanal, indem er sich immer an der letzten Zahnwurzel orientirte. Bald war der Kanal geöffnet, allein die mit dem Meissel verletzte Arteria alveolaris blutete so stark, dass N. gegen 10 Minuten warten musste, bis er die beiden in dem knöchernen Kanäle wohl eingebetteten Nerven, den N. alveolaris in- ferior und N. mentalis, abschneiden, mit der Pincette für alle Zuschauer deutlich hervorziehen und 2' lang ausschneiden konnte. Die Wunde ward gut ausgewaschen, genäht, der untere Wundwinkel aber offen gelassen und mit einem bis zum Knochen hingeführten Bourdonnet versehen. Von dieser Stunde an war die Kranke vollkommen schmerzfrei. Essen, Niessen, Sprechen und Berührung an allen Orten waren nicht mehr im Stande, ihr den geringsten Schmerz zu erzeugen. Auch der Speichelüuss verschwand. Im October d. J. befand sich die Kranke noch vollkommen wohl, II. Die Neurotomie hat immer vollständige Unempfindlich- keit, Anästhesie, derjenigen Theile zur Folge, in denen sich der durchschnittene Nerv ausbreitet, und sind mit dieser Gefühl- losigkeit zuweilen auch noch Störungen in deren Bewegungs- fähigkeit verbunden, bedingt durch die Durchschneidung motorischer Nervenfasern, welche mit den durchschnittenen sensiblen Nerven-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)