Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![mehr, und stärkere Berührungen nicht immer und nicht an der getroffenen Stelle empfunden werden, dass auch Temperatureindrficke langsamer und weniger intensiv zum Bewusstsein kommen, indem z. B. siedendes Wasser in einem Reagenzgläschen an die Unterlippe gehalten erst nach 8 Secunden von der Kranken nicht mehr ertragen wird. Am 30. December ist das Gefühl in dieser Lippenparthie vollständig erloschen, Nadelstiche bis zum Bluten und siedendes Wasser bis zur Blasenbildung an die Lippe gehalten werden nicht im Mindesten empfunden, während unmittelbar jenseits der angegebenen Gränzlinien auch die leiseste Berührung und Temperaturwirkung augenblicklich empfunden wird. Diese vollständige Empfindungslosigkeit dauerte von hier an fort bis zur Mitte Februars, wo zum ersten Male bei den stets fortgesetzten Versuchen ein freilich nur noch sehr schwaches Gefühl bemerkt ward und zwar nur in einem 2 — 3 Millimeter breiten Streifen, welcher an der linken Seite der vom rechten Mundwinkel hinab laufenden Gränzlinie der empfindungslosen Lippenparthie hinab sich erstreckte. Nach- dem dieser Streifen innerhalb der beiden nächsten Wochen noch um einige Millimeter breiter geworden, ward Ende Februar auch an der entsprechenden rechten Seite des in der Mittellinie der Unterlippe hinablaufenden Narben- streifens in einer Breite von 2 Millimetern eine schwache Spur von Empfin- dung wahrgenommen, namentlich wurden Nadelstiche empfunden, Tempe- ratureinwirkungen dagegen nur äusserst schwach. Von jetzt (Anfang März) an schritt die Zunahme der Wiederkehr des Empfindungsvermögens jedoch nur äusserst langsam in der Weise fort, dass die beiden eben beschriebenen schmalen Gränzstreifen allmälig breiter wurden, mithin die zwischen ihnen gelegene unempfindliche Lippenparthie in gleichem Grade immer mehr sich verschmälerte. Gegen Ende März betrug die Breite jedes der beiden em- pfindlichen Streifen ungefähr 1 Cmtr., die Breite der dazwischen gelegenen unempfindlichen Lippenfläche 2 — 3 Cmtr. Eben so langsam wie in Bezug auf Flächenausdehniing nahm das Empfindungsvermögen auch bezüglich seiner Stärke, Schnelligkeit und Bestimmtheit wieder zu, anfangs wurden nur stärkere, erst nach und nach auch leisere Berührungen empfunden, die Stelle der Berührung wurde besonders anfangs vielfach nicht genau ange- geben, den einen Tag war die Empfindung deutlicher, schärfer und rascher, den andern Tag weniger gut; zur Erzielung zweier besonderer Gefühlsein- drücke durch die beiden Zirkelspitzen mussten dieselben noch Ende März 7 — 8 Mm. (statt 4) von einander entfernt sein. Gleichen Schritt mit der Wiederkehr der Empfindung für mechanische Eindrücke hielt auch die Empfindung gegen Temperatureinwirkungen. Heisses Wasser in einem Reagenzgläschen machte Ende März erst nach mehreren Secunden ein lästiges Gefühl. Am rothen Lippeosaume stellte sich das p]mpfindungsvermögen noch langsamer wieder ein und zwar in der Richtung von der Mittellinie nach dem rechten Mundwinkel hin. Bei der Entlassung der Operirten am 1. Mai, welche allein der nähern Beobachtung dieser Wiederkehr des Em- pfindungsvermögens wegen so lange hinaus verschoben ward, also fast 4V2 Monate nach der Operation hatte diese Wiederkehr nur sehr geringe weitere Fortschritte gemacht. Eine rasche deutliche Empfindung ganz leiser Be- rührungen mit der Nadelspitze wurde nur in einem 3 — 5 Mm. breiten Streifen dicht neben der Narbe wahrgenommen, welcher Streifen dicht unter](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)