Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![dieses Nerven, lassen wir liier ganz kurz diejenigen Fälle folgen, welche zum Beweise dieser Behauptung angeführt werden könnten, deren ober- flächliche Betrachtung indessen allein schon genügen dürfte darzuthun, dass sie zu dieser Beweisführung keineswegs geeignet sind. Selbst abgesehen davon, dass in keinem einzigem dieser Fälle mit der nölhigen Sicherheit dargethan worden ist, dass der Stamm des Facialnerven unmittelbar nach seinem Hervortreten aus dem Fallopischen Kanäle durchschnitten worden ist, lässt sich die nach der Operation bemerkte, immer nur zeitweise Bes- serung der früheren Schmerzen mit mehr Recht theils aus den derivirenden Wirkungen des gewählten, sehr eingreifenden Operativ-Verfahrens, theils aus der Durchschneidung anderer sensibler Nerven, z. B. des die Operations- stelle durchlaufenden Raraus auriculo-temporalis vom dritten Aste des Nervus trigeminus oder des Ramus auricularis magnus vom dritten Halsnervenpaare erklären, wofür ebenfalls Beobachtungen hier beigebracht sind. Dagegen habe ich alle Fälle von angeblicher oder wirklicher Durchschneidung des Facialnerven bei Gesichtsschmerz, die ohne allen Erfolg vorgenommen worden sind, hier ganz unerwähnt gelassen. Klein (Chiron, Zeitschrift herausgegeben von Siebold. Nürnberg 1806. Bd. II. pg. 157 und Journal für Chirurgie von Gräfe und Walther. Berlin 1822. Bd. III. pg 46) beschreibt folgende Fälle von Durchschneidung der Gesichtsnerven. — Erster Fall. Bei einem 40jährigen Landmann mit Gesichts- schmerz, hauptsächlich ausstrahlend vom Winkel des Unterkiefers gegen Lippen und Nase hin. Durchschneidung der Rami inferiores N. facialis durch einen Schnitt, welcher am vordem Rande des M. masseter von der Speichel- gegend an bis zum untern Rande des Unterkiefers hinab alle Weichlheile bis auf die Mundschleimhaut trennte, und 8 Tage darauf ein zweiter senk- rechter Schnitt, welcher zwischen dem Nasenflügel und dem obern Ende des ersten Schnittes IV2 lang durch die Backe drang. Der eigentliche Gesichtsschmerz hörte nun auf, es blieb nur ein leichtes, nicht sehr schmerz- haftes Zucken und Klein erklärt am Schlüsse dieser Beobachtung (a. a. 0. pg. 160), 2 .Jahre nach dieser Operation, sich zur Dauer dieses Zustandes für berechtigt zu halten. Diese Hoffnung gieng jedoch nicht in Erfüllung, denn, wie Klein später mittheilt (Journal für Chirurgie von Gräfe und Walther. 1822. Bd. III. pg. 46), die Schmerzen steigerten sich zu einer immer bedeutenderen Höhe, so dass dieser Kranke in seinem 74. Jahre sich zu der von Klein ihm dringend angerathenen [„Geld und gute Worte bewogen ihn] Durchschneidung des N. facialis an seinem Austritte an der Schädel- basis entschloss: Unter dem stark nach oben gezogenen Ohrläppchen ward ein tief eindringender Schnitt hart am vordem Rande des Processus mastoi- dcus bis zu dessen Spitze abwärts geführt, die liiebei entstehende starke Blutung aus der zerschnittenen A! occipitalis ward durch den Druck eines Gehülfen auf die A. carotis gemindert. Jetzt Queerschnitt vom obern Ende des ersten Schnittes nach vorn bis an die A. temporalis und Trennung des hiedurch gebildeten rechtwinkligen Lappens durch tiefer gehende Schnitte bis zum hintern Rand des Processus stylomastoideus und mastoideus. worauf ein rundes federkieldickes Glüheisen in die Wunde eingeführt und stark und anhaltend an die Gegend des Foramen stylomastoideum angedrückt ward. Tamponade der noch blutenden Wunde durch Charpie in Eiweiss getaucht](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)