Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![geriDgem Grade in dem Stamme des N. dentalis inferior noch fortdauerten. [Durch eine weiter rückwärts am Stamme des N. maxillaris inferior vor- genommene Durchschneidung würde gewiss ein vollständiger Erfolg erzielt worden sein.] Löwenhardt (Medicinische Zeitung. Berlin 1857. pg. 166) führte die subcutane Durchschneidung des N. infraorbitalis bei einer Dame von 60 Jahren aus, welche seit 14 Jahren an heftigen neuralgischen Schmerzen der linken Gesichtsseite litt, die zuerst in der Oberlippe aufgetreten waren, späterhin sich aber auf weitere Zweige des zweiten und dritten Hauptastes des Quintus ausgebreitet hatten. Er stach nach Anästhesirung der Wange mit der Kältemischung unler dem Vorgeben einer tiefen Impfung (weil die Kranke eine grosse Furcht vor der Durchschneidung hatte) von der Wange aus das Tenotom ein und führte mehrere subcutane Schnitte auf den Ober- kiefer gegen das Foramen infraorbitule hin. so dass er bestimmt den Nerven total durchschnitten zu haben glaubte — was indessen doch nicht der Fall war, da die Kranke statt der erwarteten Anästhesie nur ein stumpferes pelziges Gefühl in den betreffenden Theilen angab und deutlich die Nadel empfand. Bald nach der Operation traten mehrere Schmerzanfälle ein, allein am andern Tage war die Kranke völlig schmerzensfrei, nur bei leichtem Drucke in der Gegend des N. infraorbitalis trat ein zuckender Schmerz nach der Oberlippe zu ein, doch verlor sich auch dieser in den nächsten Wochen, und bis zur Bekanntmachung dieses Falles (ein Vierteljahr nach der Operation) hat die Kranke nur einige Male eine vorübergehende plötzliche Erinnerung an den frühern Schmerz gehabt. Subjectives Gefühl in beiden Gesichtshälften fast völlig gleich. L. K r e m b s (Aerztliches Intelligenz-Blatt, München 1858. nr. 25. pg. 297) theilt in seinem Berichte über die auf der chirurgischen Abtheilung des allgemeinen Krankenhauses in München während des Etatsjahres IB^'/ss zur ärztlichen Behandlung gekommenen Kranken nachstehende zwei Fälle mit folgenden Worten mit. „Auch die Neuralgia nervi infraorbitalis wurde ein Mal Gegenstand der Behandlung und zwar bei einem 27jährigen Mädchen nach einem Falle auf die rechte Gesichtshälfte im vorigen Jahre. Man fühlte hierauf am untern Rande der Fossa orbitalis abnorme Beweglichkeit und heilte diese Fraktur (oder Impression) durch bedeutende Callus-Bildung. Während dessen bildete sich eine Neuralgie des N. infraorbitalis, welche mit innerlichen Mitteln ohne Erfolg behandelt einer subcutanen Discision des Nerven gewichen war. Im Mai d. J. kehrten die Schmerzen heftig wieder und machte man die Resection des höckerig-aufgetriebenen Infraorbital- Randes, öffnete dadurch den Canalis infraorbitalis und schnitt ein Vs Zoll langes Stück des blossgelegteu Nerven aus; die Wunde vernarbte durch Eiterung und der Schmerz war gehoben. Indessen kehrte er nach sechs Wochen doch abermals wieder, wenn auch mit ungleich geringerer Stärke. Man trennte nun die Narbe subcutan vom Knochen, machte Einspritzungen von einer Solutio Morphii Gr. j-jj auf die Drachme, gab innerlich Pulv. ferri carb. 3/!?—j/J—jj, unter welcher Behandlung endlich Heilung eintrat. — Mit Prosopalgia nervi infraorbitalis war eine 55jährige Frau auf die Klinik gekommen. Dieselbe war seit fünf Jahren nicht mehr menstruirt und datirto seit dieser Zeit zugleich den Beginn dieses Gesicht-Schmerzes. Man machte](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)