Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![empfehlenswerthen Operationsweisen wenden wir uns sogleich zur näheren Beschreibung der technischen Ausführung des dritten Verfahrens, dessen Anfang zugleich derselbe wie bei den beiden noch folgenden Verfahren ist. Mit dem convexen Bistouri schneidet man in gerader Richtung durch die äusseren Weich- theile auf den untern Augenhöhlenrand ein, legt denselben fast in seiner ganzen Länge bloss, und nachdem man die von dem- selben abgehenden fibrösen Gewebe dicht am Knochen durch- schnitten hat. dringt man unmittelbar am Boden der Augenhöhle nach hinten bis gegen die Fissura orbitalis inferior hin vor, was bei der Lockerheit des Zellstoffes, durch welchen der Aug- apfel nebst den ihn umgebenden Weichtheilen mit dem Boden der Orbita verbunden ist, sehr leicht sich ausführen lässt. Während dieses geschieht, lässt man durch einen Gehülfen mittelst geeigneter Instrumente, am besten mittelst eines leicht gebogenen breiten Wundhakens den ganzen Inhalt der Orbita sanft in die Höhe ziehen und zugleich von einem andern Gehülfen mit einem in eine Schiebepincette geklemmten feinen Schwämmchen so oft als nöthig das hervorquellende Blut auftupfen, um stets eine freie Ansicht des knöchernen Bodens der Orbita vor sich zu haben, in welchem der Kanal mit seinem Inhalte als ein saturirt weisser Streifen durchzuscheinen pflegt. [Eine Ablösung des dünnen Periostes von demselben, um dadurch eine genauer zusammen- haltende Hülle für den Inhalt der Orbita zu gewinnen, welche das Vorfallen einzelner Fettklumpen verhindern soll, wie Manche vorschreiben, ist durchaus unnöthig, da letzteres ohnedies nicht geschieht, wenn nur die den Orbital-Inhalt zusammenhaltende dünne Zellstoffschichte geschont wird.] Jetzt durchschneidet man mit der Spitze eines starken sichelförmigen Tenotoms oder eines gewöhnlichen Bistouri die untere Wand der Orbita etwa einen Centimeter lang in queerer Richtung und zwar mindestens zwei Centimeter hinter dem untern Augenhöhlenrande, so dass man sicher ist, den Unteraugenhöhlenkanal mit dem in ihm laufenden Nerven vollständig durchschnitten zu haben, und überzeugt sich nöthigenfalls durch Eingehen mit einer vorn hakenförmig gebogenen Knopfsonde von der gelungenen vollständigen Durchschneidung des Nerven. Die hiebei eintretende Blutung aus der mitdurch- schnittenen A. und V. infraorbitalis stillt man zunächst durch Einspritzen von kaltem Wasser in die Orbita oder Einlegen von Schwammstückchen in kaltes Wasser getaucht und schreitet dann](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0070.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)