Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![dungslosigkeit in der rechten Hälfte der Oberlippe bis zur Schleimhaut und dann von der Gränze zwischen Wauge und Nasenflügel bis zu einer Linie, die man sich vom rechten Mundwinkel bis zum äussern Augenwinkel ge- zogen denkt; an der Schleimhaut dieser Oberlippenhälfte geschwächtes Em- pfindungsvermögen und noch dumpleres an dem Zahnfleische derselben Gegend; die Zähne des rechten Oberkiefers schienen der Kranken verlängert und Essigsäure darauf gebracht verursachte nicht die Empfindung der Säure. Bei fortgesetzten Versuchen blieb sich die Ausdehnung der Empfindungs- losigkeit durchaus nicht gleich, so dass an einem Tage die rechte Nasenseite und die Oberlippe ein ziemlich promptes Empfindungsvermögen besass, während es am nächsten Tage ganz fehlte und umgekehrt. Der Schmerz längs des Unterkiefers und an der Schläfe trat nie ein ausser im ersten Mo- mente des Essens oder Sprechens. Die Heilung der Wunde ward durch einen am Abend des 22. Aprils aufgetretenen Icterus mit starkem Fieber und Kopf- schmerz, sowie durch Gangränescenz in der Operationswunde verzögert. Am 15. Mai Wunde geschlossen, Narbe ganz klein, Schmerz allenthalben ge- schwunden; nur beim Drucke auf die Stelle, wo der hintere obere Zahnnerv sich zur vordem Gegend des Oberkiefers herüberschlingt, ein leichter, mit Entfernung des Druckes sogleich aufhörender Schmerz. Empfindungsver- mögen an Oberlippe und Nasenflügel wiedergekehrt, aber noch nicht an der Wange. Dauer dieses Zustandes durch 10 Monate, d. h. bis zum Februar 1854, wo sich beim Kauen und Sprechen leise Schmerzen einstellten, die bei massiger Intensität anhaltend wurden und in der Nacht vom 2. auf den 3. März einen so hohen Grad erreichten, dass sie der Kranken durch 24 Stunden nicht erlaubten, den Mund auch nur im Mindesten zu bewegen. [Heber den weitern Verlauf dieses Falles s. unten pg. 909]. Schuh ^Ueber Gesichtsneuralgien. Wien 1858. pg. 77) beschreibt noch folgenden Fall. Im August 1853 ward auf seine Abtheilung im allgemeinen Krankenhause in Wien ein 41jähriger Handelsmann aufgenommen, von kräf- tigem, aber etwas abgemagertem Körperbau, die rechte Schläfengegend von hässlichen Narben übersäet. Bei demselben treten in Zwischenräumen von oft nur wenigen Minuten, oft mehreren Stunden die fürchterlichsten, jedoch nur einige Minuten dauernden Schmerzanfälle mit Verzerrung dieser Ge- sjchtshälfte und gegen Ende mit reichlichem Thränenergusse ein; sie ver- breiten sich mit Ausnahme des Unterkiefers über alle übrigen Theile der rechten Gesichtshälfte und den grössten Theil des behaarten Theiles dieser Seite und gehen in der Regel von der rechten Wange aus. Fingerdruck an den Austrittsstellen des N. infraorbitalis, supraorbitalis, zygomaticus, tem- poralis und nach dem Verlaufe des N. frontalis, ja die leiseste Berührung der Haut oder der langen Wangenhaare ruft den Schmerz augenblicklich hervor. Ausser der Zeit der Anfälle ist der Kranke ganz schmerzensfrei. Sonstige Functionsstörungen werden keine wahrgenommen. Die Krankheit begann vor 18 Jahren damit, dass nach einem im Regen zugebrachten Tage Morgens heftige klonische Krämpfe der rechtseitigen Augenmuskeln mit oftmaliger Blitzempfindung dieses Auges eintraten, welche Zufälle von nur geringen und kurz andauernden Schmerzen begleitet waren. Nach einigen Tagen verloren sich die Zuckungen des Auges, während in dem gleichen Grade die Schmerzen heftiger und andauernder wurden, jedoch Anfangs nur 5](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0073.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)