Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns.
- Victor von Bruns
- Date:
- 1859
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Credit: Die Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz / von Victor von Bruns. Source: Wellcome Collection.
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![rechtsseitigen Backzahns im Herbste 1852 hörten die Schmerzanfälle hls zum Januar 1853 vollkommen auf, kehrten dann aber wieder und gestalteten sich an Heftigiieit, HäufigkeK und Ausdehnung zunehmend bis zum Eintritte des Kranken in die Klinik am 12. April 1855 in folgender Weise. Die Schmerzen stellten sich alle 2—5 Minuten ein, waren sehr heftig, mit Zuckungen der Gesichtsmuskeln rechterseits, Röthung der Augen und Thränenfluss, beson- ders gegen das Ende der Anfälle in Verbindung. Sprechen und Kauen riefen den Schmerz hervor, der Fingerdruck jedoch niemals. Die Stelle, von wo der Schmerz ausgieng, sowie die Richtung der Ausbreitung desselben Hess sich nicht mit Bestimmtheit ermitteln, da kein Punkt beim Drucke schmerzte, der Schmerz auch zu verschiedenen Zeiten eine verschiedene Richtung und Ausbreitung zu nehmen schien, und endlich da die Angaben des Kranken selbst sehr unbestimmt und schwankend waren. Da jedoch zur Zeit der Aufnahme des Kranken der Schmerz, welcher sich auf die Wange beschränkte, gerade von jener Stelle auszustrahlen schien, „wo sich die Zweige des N. zygomaticus malae in den Verbindungsfäden mit dem N. infraorbitalis am Gesichte auflösen, da ferner das Auge stark er- griffen war und thränte, so hielt Schuh den mit dem Thränennerven in Anastomose stehenden N. zygomaticus für den Sitz des üebels und schnitt deshalb am 24. April 1855 ein 3' langes Stück aus dem N. zygomaticus in der Augenhöhle heraus, was ohne besondere Schwierigkeiten vor sich gieng. [Nähere Angaben über diese Operation werden nicht gemacht.] Der einzige bleibende Vortheil dieser Operation war, dass das Thränen und die Röthung der Augen von nun an für immer weg blieben, und zwar auch als die an- fangs ausgebliebenen Schmerzanfälle im Verlaufe des Monats Mai sich wieder einstellten und gegen Ende dieses Monats zu einem sehr hohen Grade sich steigerten und zugleich noch eine grössere Ausbreitung gewannen, indem sie sich über das Gebiet des N. infraorbitalis, dentalis posterior superior und dentalis inferior ausbreiteten. Aus diesem Grunde und wegen der zuneh- menden Abmagerung des Kranken in Folge des Schlafmangels und der un- vollkommenen Ernährung — er durfte nämlich nichts kauen — Beschluss sämmtliche genannte Nerven nach einander zu durchschneiden. Am 6. Juni während der Chloroformnarkose Resection des N. infraorbitalis nebst den N. dentalis anterior et medius superior in der oben beschriebenen Weise. Die drei Nerven hingen in gleicher Länge an dem herausgenommenen Knochenblättchen an. Die Wundränder legten sich ohne Naht schön an einander und waren in einigen Tagen mit einander verwachsen. Die Schmerz- anfälle stellten sich aber noch am Abend des Operationstages wieder ein, waren auch an Intensität den früheren nicht nachstehend, dagegen an Aus- dehnung beschränkter, indem die Theile im Bereiche des N. infraorbitalis ganz frei blieben. Am 20, Juni Durchschneidung des N. alveolaris superior posterior und des N. dentalis inferior gleichzeitig und zwar ohne den Kranken vorher von dieser doppelten Operation in Kenntniss zu setzen, „in der Be- sor 'niss, dass doch vielleicht das Verlangen nach immer sich wiederholenden Operationen erlöschen könnte. Weichtheile der Wange durch einen ge- raden Schnitt vom Mundwinkel bis zum Winkel des Unterkiefers hinab getrennt und sieben durchschnittene Arterien unterbunden. Der oberhalb des Schnittes gelegene Theil des Kaumuskels wurde sammt der auf ihm](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21044077_0079.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)