Lehrbuch der Kinderkrankheiten / auf Grund der 8. Aufl. des Buches von A. Vogel ; ganz neu bearbeitet von Philipp Biedert.
- Date:
- 1894
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Credit: Lehrbuch der Kinderkrankheiten / auf Grund der 8. Aufl. des Buches von A. Vogel ; ganz neu bearbeitet von Philipp Biedert. Source: Wellcome Collection.
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![Kreislauf. Blut. Thymus. Speichel, Magensaft, Pancreas. Tor. ovale und Ductus Botalli auch den grossen Kreislauf mit zu versorgen hat, tritt zurück, so dass der Anfangs gleichstarke rechte Ventrikel nach 1 Jahr nur noch halb so stark wie der linke ist, und damit bildet sich die scharfe Scheidung von arteriellem Blut, welche das Leben durch bleibt, während beim Tötus nur die Nabel- vene arterielles, die übrigen Gefässe gemischtes, die Nabelarterie grösstentheils venöses, nur V. Cava superior und die Inferior bis zum Einiiuss des Duct. venös. Arantii rein venöses Blut führten. Der Gehalt des Blutes der Neugeborenen an rothen Blutkörperchen scheint wohl von dem des Erwachsenen, 5 Mill. im ccm, nicht stark abzuweichen {Stierlein 90, Relnert 91), wenn er auch in den ersten 3—4 Tagen und besonders bei Spätabgenabelten vorübergehend auf 6—7 {Gundohin 93) und selbst einmal auf 8 Mill. steigt nach E. Schiff (91 und 92). Dem entsprechend fand der letzte Autor anfangs noch den Hämoglobingehalt zuweilen erhöht: 104,67o, das damit parallel gehende spec. Gewicht betrug hier 1066 {Lloyd-Jones)] unter die Mittelzahlen von 100%, 5 Mill. und 1060 für Hämoglobin, Erythrocyteu und spec. Gewicht ist nach Hock und Schlesinger (91), Monti und Berggrün (92) u. A. ein Sinken auf 60% in den ersten Kinderjahren noch innerhalb der Grenzen der Gesundheit möghch. Kernhaltige rothe Blutkörperchen, die beim Fötus sehr zahlreich sind, werden beim Neugeborenen schon viel weniger, später gar nicht mehr gefunden (Hoch und Schlesinger, Luzet 91), und so ist auch das andere Zeichen eines noch unvollendeten Blutes die Vermehrung der weissen Blutkörperchen = absolut 18000, nach 1 Monat 8000, zuweilen 5000 {Hagem 77), 1 : 135—180 statt 400 {Demme 81, Reinert) nur in der allerersten Zeit ausgesprochen. R. Fischl (92), der hierüber an gefärbten Trockenpräparaten Untersuchungen machte, bestreitet auf Grund derselben noch die von Silberniann u. A. behaupteten Veränderungen an der Form etc. der rothen Körperchen, an der Dellen- und Rollenbildung, die Bildung von Schatten aus denselben durch Austritt des Hämoglobin in Lösung (Hämoglobinämie, die dann Silbermann [87] wieder eine Rolle bei dem Icterus neonatorum spielen lässt). Das sollen Kunstprodukte sein. Eines dem kindlichen Organismus allein zukommenden Organes muss hier noch Erwähnung geschehen, der Thymusdrüse. In das Mediastinum anticum eingebettet, beschränkt sie sich bald auf den obern Teil des Herzbeutels und auf die Ursprünge der grossen Gefäss- stämme, in der Breite kaum 2 cm messend, bald wieder reicht sie von der ScliÜddrüse bis zum Zwerchfell herab und übersteigt 7 cm m der Breite. Im Anfange solid und festkörnig, verwandelt sich die Thymus mit der Zeit in eine viele Höhlen bergende, weichere Masse, deren Saft immer sauer reagirt. Nach und nach wird sie immer flacher, die inneren Hohlräume treten dichter an einander, so dass von einem Drüsenparenchym eigentlich nichts mehr zu bemerken ist, und zur Zeit der beginnenden Pubertät ist sie in der Eegel vollkommen ver- schwunden. Ausnahmsweise jedoch findet sie sich auch noch bei älteren Individuen, zuweilen sogar von beträchtlichem Umfang und Gewicht. B. Secretionen. Säramtliche Schleimhäute, die im Fötalzustande nur sehr wenig funktionirten, fangen nach der Geburt an, das ihnen eigenthumhche Secret abzusondern. Die Mund- und Nasenhöhle werden schlüpfrig, letztere oft nur sehr mangelhaft, so dass häufig Kunsthülfe nothig wird, um die angetrockneten Schleimkrusten zu entfernen, in den Speicheldrüsen bildet sich Speichel, aber weniger und .schwacher diastasirend, als bei älteren zähnetragenden Kindern. Der Magen scheidet Milch coagulirenden und wieder lösenden Magensaft aus. Die Bauchspeicheldrüse liefert, gleich der des Mundes schwacher, als m späterer Zeit, ihren Speichel, der aber neben der ± alugkeit, aus Stärke Zucker zu bilden, noch die hat, Eiweiss zu ver- dauen {Kühne) und Fett zu spalten {F. Müller 86). Aus der grossen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925185_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)