Klinische Würdigung einiger experimenteller Ergebnisse beziehentlich der Physiologie der Uteruscontraction / von E.M. Kurdinowski.
- Kurdinovskii, Evgenii Mitrofanovich, 1874-
- Date:
- [1906?]
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Credit: Klinische Würdigung einiger experimenteller Ergebnisse beziehentlich der Physiologie der Uteruscontraction / von E.M. Kurdinowski. Source: Wellcome Collection.
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![ziemlich schnell über das andere Uterushorn, die Scheide, die Adnexa und den Bandapparat; oft wurden dabei sogar die in un- mittelbarer Nähe des Uterus liegenden Organe, d. h. die Blase und das Rectum1), mit in die Bewegung hineingezogen. In den Versuchen, die den Zweck hatten, die Wirkung der Vaginaldouchen zu prüfen, überzeugte ich mich immer ad oculos, dass es genügend ist (unter dem unbedeutendsten Drucke), einige Tropfen Wasser (Temp. z. B. 40°) in die Scheide einzugiessen, um die Contractionen rasch den ganzen Uterus ergreifen zu lassen. Hieraus ergiebt sich die praktische Folgerung, dass es zur Er- zielung eines thermischen Effectes überhaupt nicht erforderlich ist, das heisse oder kalte Wasser mit dem ganzen Organ in Berührung zu bringen. Es genügt vollkommen, wenn der Reiz auf irgend einen Ort, z. B. auf die Port, vagin., einwirkt, um den Effect rasch auf den ganzen Uterus übergehen zu lassen. Folglich ist für die Uterusdouche, streng gesagt, keine Noth- wendigkeit vorhanden2), da die Vaginaldouche als vollkommen zweckentsprechend erscheint und überdies durchaus ungefährlich ist. Mit der Frage über den Einfluss örtlicher, thermischer Reize auf die Uteruscontractionen ist eine andere, gleichfalls in praktischer Beziehung interessante Frage verbunden, nämlich die über den Einfluss der erhöhten Eigenwärme auf die Contractionen. Dies zu wissen, hiesse den Schlüssel haben zum Verständniss jener schon mehrmals beschriebenen, räthselhaften Fälle, in denen die Schwanger- schaft, complicirt durch irgend eine Infectionskrankheit, verbunden mit bedeutender und andauernder Temperaturerhöhung, unerwartet ohne jedwede sichtbare Ursache, mit der Frühgeburt einer lebenden Frucht endet. 1) Runge erwähnt unter anderem, dass man nach den Einspritzungen kalten Walters per rectum Uteruscontractionen beobachten konnte. Dasselbe habe ich auch sehr oft beobachtet. 2) Runge hat, davon ausgehend, dass sich die Uteruscontractionen zu- weilen sehr langsam verbreiten [z. B. vom Muttermund bis zum Fundus uteri — während dos Verlaufs einiger Minuten (?)] empfohlen, in dringenden Fällen heisses Wasses direct in die Gebärmutter einzuspritzen. Was mich betrifft, so habe ich niemals eine solche übermässig langsame Fortpflanzung der Uterus- contractionen beobachtet und halte sie für direct unmöglich. Obgleich dem glattmuskeligen Gewebe, im Vergleich zur quergestreiften Muskulatur, im all- gemeinen eine langsamere Fortpflanzung der Reize eigen ist, so kann doch davon, dass sich ein und derselbe Reiz erst im Verlauf einiger Minuten aus- breitet, keine Rede sein.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22408083_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


