Klinische Würdigung einiger experimenteller Ergebnisse beziehentlich der Physiologie der Uteruscontraction / von E.M. Kurdinowski.
- Kurdinovskii, Evgenii Mitrofanovich, 1874-
- Date:
- [1906?]
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Credit: Klinische Würdigung einiger experimenteller Ergebnisse beziehentlich der Physiologie der Uteruscontraction / von E.M. Kurdinowski. Source: Wellcome Collection.
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![sich in toto auf und verharrt dauernd in diesem Zustande. Niemals folgt auf diese schnelle Bewegung eine zweite, der Contractions- zustand bleibt unbeweglich und starr“ (S. 132). An einer anderen Stelle bezeichnet der Autor die Kälte als „einen intensiven und vielleicht noch stärker wirkenden Reiz als die Hitze“ (S. 141). Runge führt jedoch unmittelbar nach dem eben citirten Satz folgenden Vorbehalt an: „aber ich mache hier aufs Neue darauf aufmerksam, dass die Anwendung der Kälte bei jeder grösseren Blutung ein gefährliches Mittel ist, indem es dem erkaltenden Körperwärme entzieht und den Collaps vermehrt“ (S. 142). Wie gleich klar werden wird, hat Runge die Kälte ganz unberechtigter Weise ein „gefährliches Mittel“ genannt und dadurch die Bedeutung des von ihm selbst in den Vordergrund geschobenen, thatsächlich wichtigen Faktors stark abgeschwächt. Da als Quelle des thermischen Reizes überhaupt nur die scharfe, wenngleich äusserst kurze Zeit andauernde, rela- tive Schwankung der Temperatur erscheint, so bedarf es, um durch Kälte Uteruscontractionen hervorzurufen, durchaus nicht einer solchen andauernden Anwendung derselben, welche in dem von Runge angegebenen Sinne gefährlich sein könnte. Zwischen der Stärke des auf den glatten Muskel angewendeten thermischen Reizes und dem im Resultat erhaltenen Effect kommt überhaupt nie eine directe Beziehung vor. Ich habe mich in meinen Versuchen ad oculos überzeugt, dass die gegenseitige Berührung des Uterus mit einigen Wasser- tropfen von bedeutend erniedrigter Temperatur während einiger Secunden! vollkommen genügt, um plötzlich (nämlich „wie mit einem Schlage“ [Runge]) eine starke Reaction ein- treten zu lassen, die in einer durchaus starken und andauernden Contraction scharf-tetanischen Charakters zum Ausdruck kommt. Es ist klar, dass die Kälte, in solchen unbedeutenden Dimensionen angewendet, keine Wärme entziehen und folglich nicht gefährlich sein kann, in welchem Zustande die Kranke sich auch befinden möge. Darum kann ich mich, gestützt auf eine ganze Reihe meiner Versuche, mit der Meinung Runge’s, dass die Kälte bei starken Blutungen contraindicirt, durchaus nicht einverstanden erklären und halte es in Anbetracht der praktischen Wichtigkeit der Frage für unumgänglich, diese Meinung in entschiedenster Weise zu widerlegen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22408083_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


