Die Pathologie und Therapie der Placentarretention für Geburtshelfer und praktische Ärzte.
- Ernst Ludwig Alfred Hegar
- Date:
- 1862
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Credit: Die Pathologie und Therapie der Placentarretention für Geburtshelfer und praktische Ärzte. Source: Wellcome Collection.
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![Uebrigens hat der Sitz der Placentca selbst Einfluss auf die ent- sprechende CJterinwand. Diese ist schon durch den stärkeren Ge- fässreichthum verhältnissmässig dicker; ob auch die MuskuLatur gerade hierdurch ausgebildeter wird, ist wahrscheinlich, jedoch noch keine ausgemachte Thatsache. Ueberhaupt fehlen uns über Häufig- keit des Sitzes der Placenta an dieser oder jener Stelle des Uterus, sowie über die Muskelstärke verschiedener Stellen desselben genaue statistische Angaben, obgleich dieselben für die verschiedensten Vorgänge bei der Geburt von Wichtigkeit erscheinen. Was zunächst den Sitz des Kuchens betrifft^), so sind die meisten Angaben darin übereinstimmend, dass für gewöhnlich der mittlere Thell des Uterus den Kuchen enthält, wie dies schon Baudelocque lehrte^). Es geht dies .auch aus der Stelle des Eihaut- risses hervor, welcher sich in der Regel 2—3 Zoll näher dem einen Placentarrand befindet, als dem entgegengesetzten. Die alte An- sicht von Deventer, Mauriceau, Levret, Pen, nach welcher der Fun- dus vorzugsweise als Haftort des Kuchens dient, Ist hiermit -wider- legt. Auch ist man darüber einig, dass besonders die hintere Wand zur Insertion dient; dagegen laufen die Angaben, ob häufiger die rechte oder die linke Seite die Insertion vermittele, noch ausein- ander. So giebt Naegele ^3 an: „der Kuchen kann sich in jeder Gegend des Uterus entwickeln ; gewöhn- lich scheint dies jedoch mehr an der einen oder andern Seite zu ge- schehen ; häufiger an der linken, als an der rechten und wahrscheinlich auch häufiger zur Seite und etwas nach hinten, als nach vorn. Scanzoni *) — Hohl ^) betrachten es als eine ausgemachte That- sache, dass man ihn am häufigsten am rechten, hinteren Umfang des Gebärmutterkörpers vorfindet. Garmicliael '^) fand bei vier Sectionen von am Ende der 1) Die Untersuclmng am Lebenden hierüber, selbst wenn zum Zweck der künstlichen Lösung die ganze Hand eingeführt wird, gibt wegen der häufig so verschiedenen und abnormen Stellung und Konfiguration des Uterus in der Nach- geburtspcriode, kein ganz sicheres Resultat über den Ort der Placentarinsertion. Ich möchte aus demselben Grunde auch die Vorschrift, aus der Seite des Mutter- munds, an welche sich der Nabelstrang anlegt, auf die Seite der Insertion zu schliessen, nicht für unbedingt richtig halten. 2) 0. C. T. L S. 141. 3) Lehrbuch der Geburtshülfe. Mainz 1850. 3. Aufl. S. 92. 4) Lehrb. der Geburtsh. Wien 1849. Bd. I. S. ]19. 5) Lehrb. der Geburtsh. Leipzig 1855. S. 146. 6) Schmidt's Jalirb. 29. B. S. 58.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21057849_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)